Dream Team - wie Darm und Hirn kooperieren
IMMUNSYSTEM
Bauch und Gehirn arbeiten als Team, soviel steht fest und das schon ein Leben lang. Dabei sammeln sie Erfahrungen und senden Signale, die uns warnen oder schützen. Der aktuelle Wissenschaft beschreibt die Verbindung zwischen Darm und Gehirn als einen ständigen Dialog.
in Kürze - worum geht's
Inhalt:
Wissenschaft - wie Darm und Hirn kooperieren
Häufige Fragen zur Darm-Hirn Connection
Dialog: "Darm-Hirn und die Macht der Mikroben


Tipps - 10 Tipps für ein besseres Bauchgefühl
Wie Darm und Hirn kooperieren
Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher eigentlich das bekannte „Bauchgefühl“ kommt? Sie erinnern sich vielleicht ja an einen „Druck in der Magengrube“ oder "Schmetterling im Bauch“. Ist das, wie viele glauben Esoterik oder steckt mehr dahinter? Heute belegt die Wissenschaft, dass wir instinktiv spüren können, was uns gut tut und was nicht.
Bauch und Gehirn arbeiten als Team und zwar schon von Beginn des Lebens an. Dabei sammeln sie Informationen und Erfahrungen und senden uns Signale, die uns entweder warnen oder schützen sollen, aber auch dazu raten, wenn etwas nützlich ist. Mit anderen Worten Bauchgefühle helfen uns bei Entscheidungen. Sie leiten uns, zu unserem Vorteil.
Im reiferen Alter, in dem wir, mehr als in jungen Jahren auf unseren Körper achten sollten, eröffnet dieses Wissen eine Möglichkeit, Stimmung und Wohlbefinden, vor allem aber unsere Gesundheit zu fördern. Lassen Sie uns gemeinsam entdecken, wie Sie durch das Verstehen ihres Bauchgefühls zu mehr Ausgeglichenheit, Entspannung oder Lebensfreude finden können.
Der Bauch, mehr als ein Nahrungsschlauch
Stellen Sie sich Ihren Darm nicht nur als einen Schlauch vor, der für Grummeln, Brummen oder andere Geräusche zuständig ist, sondern als eine biologische Kommandozentrale. Hier leben Billionen winziger Helfer – die Darmbakterien, früher Darmflora und heute Mikrobiom genannt. Diese unzähligen „Mitbewohner“ sind rund um die Uhr damit beschäftigt, alles, was wir zu uns nehmen, zu analysieren, zu verarbeiten und die Nährstoffe dorthin zu schicken, wo sie gebraucht werden.
Doch sie tun noch viel mehr: Sie stellen auch Informationspakete zusammen, die direkt an die „Chefetage“, also das Gehirn, gesendet werden. Die Postboten für diese Nachrichten sind Hormone und Nervenbahnen. Die wichtigste Verbindung ist der Vagusnerv, eine Art Datenautobahn, direkt zwischen Bauch und Kopf.
Wenn wir unseren Darm mit guter, nährstoffreicher Nahrung versorgen, produzieren unsere kleinen Helfer positive Botschaften. Das erstaunlichste Beispiel ist das Glückshormon Serotonin. Unglaublich, aber wahr: Rund 90 % des Serotonins in unserem Körper werden im Darm hergestellt! Gelangen also diese Glücksbotschaften ins Gehirn, fühlen wir uns ausgeglichen, zufrieden und gut gelaunt.
Bekommt der Darm jedoch ständig stark industriell verarbeitete Lebensmittel, wie Zucker oder ungesunde Fette, werden statt positiver Nachrichten Stresssignale und entzündungsfördernde Stoffe verschickt. Die Folge: Wir fühlen uns müde, gereizt, unkonzentriert, vielleicht sogar niedergeschlagen.
Diese Bilder sind keine Fantasie, sondern beruhen auf konkreten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Mittlerweile hat sich weltweit und über unzählige Studien und Forschungsarbeiten das Verständnis über den Darm und seine Rolle für unser Dasein revolutioniert. Drei davon möchten wir in diesem Beitrag vorstellen: Emeran Mayer, Gregor Hasler und Allanna Collen, weitere werden folgen.
Dr. Emeran Mayer - die Darm-Hirn-Achse:
Der renommierte Neurowissenschaftler beschreibt die Verbindung zwischen Darm und Gehirn als einen ständigen Dialog. Stress vor einem Arzttermin kann auf den Magen schlagen. Umgekehrt kann ein gereizter Darm durch falsche Ernährung oder eine Störung der Darmflora Alarmsignale an das Gehirn senden, die wir als Angst oder schlechte Laune wahrnehmen. Laut Emeran Mayer ist eine gesunde Darmflora der Schlüssel für eine positive Kommunikation in beide Richtungen.
Dr. Gregor Hasler – Darmentzündung und Hirnchemie:
Der Schweizer Psychiater geht noch einen Schritt weiter. Er untersuchte den Zusammenhang zwischen der Darmgesundheit und psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Hasler erklärt, dass eine unausgewogene Darmflora (Dysbiose) chronische Entzündungen im Körper auslösen kann. Diese Entzündungen beeinflussen die Gehirnchemie negativ und können depressive Symptome verstärken. Eine darmfreundliche Ernährung kann daher ein wichtiger Baustein sein, um die seelische Gesundheit zu unterstützen.
Dr. Allanna Collen und "die Macht der Mikroben:
Die Biologin macht uns bewusst, dass nur etwa 10 % der Zellen in unserem Körper menschlich sind – der Rest sind unsere Mikroben. Dieses einzigartige Ökosystem ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Allanna Collen zeigt auf, wie moderne Lebensgewohnheiten, insbesondere der häufige Einsatz von Antibiotika, unsere Darmflora schädigen. Es macht uns anfälliger für Allergien, Autoimmunerkrankungen und eben auch für psychische Probleme.
Dream Team
2 min
Wissenschaft in Kürze

Eine Situation im Alltag
Die Darm-Hirn Connection und die Macht der Mikroben


Die Darm Hirn-Connection und die Macht der Mikroben
(Helga sitzt auf einer Parkbank und genießt die Sonne. Klaus kommt hinzu, setzt sich mit einem leisen Seufzer neben sie.)
Helga: Hallo Klaus, siehst ja aus, als hättest du die Sorgen der Welt auf den Schultern. Setz dich, die Sonne tut gut.
Klaus: Ach, Helga, grüß dich. Du sagst es. Heute ist wieder so ein Tag, da ist die Laune im Keller und der Bauch grummelt, als ob er der gleichen Meinung ist.
Helga: (schmunzelt) Das kenne ich nur zu gut. Aber weißt du, ich habe da neulich etwas wirklich Interessantes gelesen. Das passt vielleicht zu dem, was du sagst: Laune im Keller, Grummeln im Bauch, keine Lust und so weiter. Das hängt, wie ich das verstanden habe, alles miteinander zusammen, ich meine Kopf und Bauch, mehr als wir dachten.
Klaus: Was meinst du? Das eine ist im Kopf, das andere ist… naja, weiter unten.
Helga: Genau das dachte ich auch! Aber anscheinend gibt es da eine Art Verbindung zwischen Kopf und Bauch. Emeran Mayer, ein Wissenschaftler, nennt das die „Darm-Hirn-Achse“. Er sagt, der Darm ist wie eine Nachrichtenzentrale. Was immer du isst, wird dort nicht nur verdaut, sondern es werden auch Nachrichten an dein Gehirn geschickt.
Klaus: Nachrichtenzentrale? Was soll denn mein Darm meinem Gehirn erzählen? „Achtung, Torte im Anflug“?
Helga: (lacht) Ja genau, da fallen mir sofort Stan Laurel und Oliver Hardy ein, wenn sie mit Torten geworfen haben. Nein, ich hab mir gestern eine interessante Doku angeschaut, bin zufällig drauf gekommen. Dabei ging’s um neue wissenschaftliche Erkenntnisse über den Darm. War echt spannend. In der Doku zeigten sie, dass zum Beispiel unser Glückshormon, dieses Serotonin, im Darm gebildet wird. Kein Witz! Wenn du bestimmte Dinge isst, also Gemüse oder einen Joghurt, dann schickt er quasi Glückinformationen nach oben ins Gehirn. Bei viel Zucker und Fett, also wie bei deiner Torte, schickt er keine Freuden-, sondern vielmehr negative Meldungen nach oben. Und die sorgen dann da oben für schlechte Laune oder Müdigkeit.
Klaus: Was die alles entdecken, ist ja wirklich verblüffend. Glaubst du das. Zumindest würde es erklären, warum ich mich nach dem gestrigen Nachmittag so schlapp und müde gefühlt habe. Und du sagst, das haben Wissenschaftler herausgefunden?
Helga: Ja, in der Doku brachten sie nicht nur den einen, diesen Emeran Mayer. Da kam noch ein anderer ein Schweizer Professor, Gregor Hasler heißt er. Der hat sogar festgestellt, dass eine schlechte Darmflora sogar für Depressionen verantwortlich sein kann. Weil dadurch Entzündungen im Körper entstehen, die bis ins Gehirn wirken. Ich muss mir die Doku nochmal anschauen, war ja schon spät. Sie zeigten dann auch, dass in der Darmflora unzählige Bakterien leben, mehr als wir uns vorstellen können.
Klaus: Bakterien… Igitt. Die will man doch loswerden.
Helga: Dachte ich auch. Aber wie es aussieht, sind wir ein wandelndes Ökosystem oder anders gesagt, voll mit Bakterien, mehr als wir uns vorstellen können.
Klaus: Du machst mir ja fast ein bisschen Angst. Ich bin voll mir Bakterien und mein Bauch quatscht mit meinem Kopf? Was schaust du dir denn für Sachen an. (lächelt dabei)
Helga: Naja, ich hab das ja alles nicht entdeckt und solche Dinge finde ich schon Spannend. Gerade das mit den Depressionen, da fiel mir sofort meine Nachbarin ein. Die jammerst ständig, den ganzen Tag. Nichts passt ihr, schlecht dies, schlecht das, wann immer man sie trifft. Letztes Mal haben wir uns dann zufällig beim einkaufen getroffen, als ich zur Kassa kam, stand sie auf einmal vor mir. Und was soll ich sagen, ihr Einkaufswagen war voll mit Fertiggerichten, du weißt, für die Mikrowelle, nichts Frisches, kein Gemüse, kein Obst oder so. Dazu noch eine Menge Chips und anderes Naschzeug. Wie ich dann gestern den Professor Hasler gehört habe, fiel sie mir sofort ein.
Klaus: Du meinst, sie ist so schlecht drauf, weil sie solche Sachen ist.
Helga: Ich denk schon. Wer weiß schon, was in dem verpackten Zeugs alles drin ist.
Klaus: Naja Chips am Abend vor dem Fernseher, die sind mein heiliger Gral.
Helga: Die Chips allein werden’s wahrscheinlich nicht sein, obwohl die auch nicht gerade fettarm sind. Aber denk doch einmal nach. Du würdest ja auch nicht irgendwas in dein Auto tanken, sonder Super oder was weiß ich. Warum soll das bei uns anders sein? Nahrung ist doch auch eine Art Treibstoff oder Energie, die wir brauchen und es macht sicher einen Unterschied, was wir „tanken oder in uns reinstopfen“. Statt Kekse am Nachmittag esse ich lieber eine Handvoll Nüsse oder ein paar Beeren mit Joghurt.
Klaus: Nüsse statt Kekse… Ob ich das schaffe?
Helga: Musst ja nicht alles ändern. Es ist schon interessant, aber dieser Hasler hat gesagt, Iss lieber deine Glücksbringer und nicht deine Miesmacher!
Klaus: (reibt sich das Kinn) Iss deine Glücksbringer… Das klingt eigentlich ganz gut. Und du meinst, das hilft für die Stimmung?
Helga: Probier‘s mal aus! Was hast du zu verlieren? Ich schick dir den Link zu dieser Doku, schau’s dir mal an, ich hab dir ja nur das erzählt, was ich mir gemerkt und dazu gedacht habe. Aber es erscheint mir ziemlich logisch, dass das was wir essen oder trinken, mit uns etwas macht. Man sagt ja nicht umsonst: „du bist, was du isst“. Kingt banal, aber wenn ich an die Nachbarin denke, scheint es zu stimmen. .... Komm, lass uns jetzt eine kleine Runde durch den Park drehen. Ein wenig Bewegung kann nicht schaden
Klaus: (steht auf und lächelt) Ok Helga und denk daran mir den Link zu schicken, find’s schon interessant, was die alles entdecken und das mit den Glücksbringern für den Bauch gefällt mir. (lacht)
Häufige Fragen zur Darm-Hirn Connection
„Soll ich mein Leben umkrempeln? Das ist doch viel zu anstrengend.“
„Natürlich nicht. Es geht nicht darum, alles umzukrempeln. Suchen Sie sich eine oder zwei der nahfolgenden Empfehlungen aus, die Ihnen am leichtesten fallen. Vielleicht ersetzen Sie den Keks am Nachmittag durch etwas Trockenobst oder gönnen sich vor jeder Mahlzeit eine Vorspeise, wie eingelegtes Gemüse, z.B. Oliven, wie es auch in der mediterranen Küche üblich ist. Schon kleine, regelmäßige Änderungen füttern Ihre guten Darmbakterien und können einen wirksamen Unterschied machen.“
„Ich nehme seit Jahren Medikamente. Stören die und machen die Mühe zunichte?“
„Das ist ein wichtiger Punkt. Es stimmt, dass manche Medikamente, vor allem Antibiotika, die Darmflora beeinträchtigen. Aber gerade in dem Fall, liegt der Vorteil klar auf der Hand, Sie würden dem Darm helfen, sich leichter und besser zu regenerieren, folglich auch widerstandsfähiger zu werden. Sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt darüber. Sagen Sie ihm, dass Sie Ihre Darmgesundheit unterstützen möchten, vielleicht hat er Tipps, die auch auf Ihre Medikamente abgestimmt sind.“
„Gesunde Ernährung ist teuer. Kann ich mir das bei meiner Rente leisten?“
„Das ist eine häufige Fehlannahme, denn darmgesunde Ernährung ist nicht teuer. Viele der besten Lebensmittel für den Darm sind sehr preiswert: Haferflocken für ein Frühstück, Linsen oder Bohnen für einen Eintopf, saisonales Gemüse wie Kohl oder Karotten und klassisches Sauerkraut sind allesamt Kraftpakete für den Darm und schonen vor allem den Geldbeutel.“
„Wie schnell merke ich eine Veränderung? Ich will nicht ewig auf ein Ergebnis warten.“
Interessant, weil doch alles, was man tut oder nicht tut zu einem Ergebnis führt, es fragt sich natürlich zu welchem. Ob Sie etwas für sich tun oder nicht, liegt letztlich bei Ihnen. Manche Menschen bemerken nach wenigen Tagen eine Verbesserung, zum Beispiel weniger aufgebläht. Größere Veränderungen, wie mehr Energie, einer besseren Stimmung oder eines „rundum Wohlgefühls“ brauchen vielleicht etwas länge, da sich das Ökosystem im Darm umstellen muss. Aber für die Gesundheit ist es früher oder später in jedem Fall ein Vorteil.
Stimmt es, das gutes Essen auch gute Laune macht?
„Ja das kann man so betrachten. Faszinierend daran ist, dass auch die Wissenschaft heute erklären kann, warum das so ist. Es ist keine Einbildung, sondern messbare Biochemie. Forscher wie Dr. Emeran Mayer haben die direkte Nervenverbindung zwischen Darm und Gehirn (den Vagusnerv) als eine Art ‚Datenautobahn‘ identifiziert. Und wir wissen, dass rund 90 % des ‚Glückshormons‘ Serotonin im Darm gebildet werden. Viele Omas und Mamas hatten also recht, "Liebe geht durch den Magen", die Wissenschaft liefert heute nachträglich die Erklärung dafür.“
Tipps für den Alltag
10 Tipps für ein besseres Bauchgefühl
Sie müssen Ihr Leben nicht „auf den Kopf stellen“ und auch kein Wissenschaftler sein, um diese Erkenntnisse für sich zu nutzen. Schon mit einfachen Dingen im Alltag können Sie Ihre fleißigen Helfer im Bauch unterstützen und die Weichen für mehr Wohlbefinden stellen:
regional und saisonal: Genießen Sie eine Vielfalt an Obst und Gemüse. Jede Farbe steht für andere wertvolle Pflanzenstoffe, die unterschiedliche gute Bakterienarten füttern.
fermentierte Lebensmittel: Naturjoghurt, eingelegtes Gemüse oder Sauerkraut enthalten eine Vielzahl an gesunden und hilfreichen Bakterienkulturen, die Ihre Darmflora direkt bereichern.
Kauen wie Genießer: Gut Kauen hilft besser zu verdauen, es entlastet den Magen und Darm und hilft, Nährstoffe besser aufzunehmen,
Wasser ist zum waschen da: Aber eben nicht nur, denn Wasser ist unerlässlich und sehr hilfreich, damit die Ballaststoffe ihre Arbeit tun können und die Verdauung geschmeidig bleibt.
Wenig Zucker und Fertigprodukte: Zucker und Fett füttern vor allem die „schlechten“ Bakterien. und die industriellen Zusatzstoffe gehen dann auch noch den „guten“ an den Kragen.
Weile statt Eile: Ständige Hektik oder Stress schaden dem Darm. Fünf Minuten tiefes Atmen, ein kurzer Spaziergang oder Ihre Lieblingsmusik wirken Wunder.
Schlafen für den Bauch: Im Schlaf regeneriert sich auch die Darmschleimhaut. Ausreichend Schlaf ist ein Geschenk für Ihr Verdauungs- und Immunsystem.
Umgang mit Antibiotika: Nehmen Sie es nur, wenn es medizinisch notwendig ist, und fragen Sie Ihren Arzt, wie Sie Ihren Darm währenddessen oder danach unterstützen können.
Bewegung fördert Freude: Regelmäßige, moderate Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Tanzen regt die Darmtätigkeit an und baut Stress ab und fördert den Kreislauf.
Haben Sie Fragen, Wünsche oder Anregungen?
vielleicht zu einem bestimmten Thema. Senden Sie uns eine e-mail und Sie erhalten umgehend eine Rückmeldung auf Ihre Frage.
