Die 8 Brokate - Tai Chi für Gelassene und Genießer
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Die Acht Brokate – Ein sanfter Start in eine gesunde Bewegung
Manchmal ist es genau das Einfache, das am längsten Bestand hat. Anders als viele denken, braucht es dafür keine besondere Muskulatur oder Beweglichkeit, keine Vorerfahrung und schon gar keine Jugendlichkeit. Im Gegenteil: Die Acht Brokate gelten als einer der Einstiege überhaupt in die Welt der sanften, wie ebenso gewinnbringenden Bewegung – ideal für alle, die sich fragen, ob Tai Chi vielleicht ein bisschen zu komplex zum Anfangen ist.


Die 8 Brokate – eine Bewegungslehre die zwar Jahrhunderte alt, aber enorm wirkungsvoll ist
Die "Acht Brokate", auf Chinesisch Baduanjin, sind eine der ältesten und beliebtesten Übungsreihen der traditionellen chinesischen Bewegungslehre Qigong – mit einer Geschichte, die über tausend Jahre zurückreicht. Der poetische Name kommt nicht von ungefähr: "Brokat" bezeichnet einen edlen, glänzenden Seidenstoff, und genau so sollen sich die acht Bewegungen anfühlen – wertvoll, fließend und von einer seidigen Leichtigkeit, wenn man erst einmal beginnt und damit als eine wertvolle und sanfte Bewegung in den Alltag bringt.
Was steckt hinter dieser einfachen körperlichen Aktivität?
Die Übungsreihe besteht, wie der Name schon verrät, aus acht einzelnen Bewegungsabläufen. Jede von ihnen trägt einen bildhaften, fast poetischen Namen, der schon andeutet, worauf sie wirkt – etwa "Die Hände zum Himmel stemmen, um die drei Erwärmer zu regulieren" oder "Wie ein Bogenschütze nach beiden Seiten schießen". Das mag zunächst ungewohnt klingen, aber genau diese bildhaften Vorstellungen helfen dabei, sich die Bewegungen zu merken und sie mit der eigenen Vorstellungskraft zu verbinden – ein Prinzip, das man auch aus dem Tai Chi kennt. In unseren Bucheinblicken finden Sie "den Leitfaden der Harvard Medical School über Tai Chi von Peter Wayne. Peter Wayne ist außerordentlicher Professor für Medizin an der Harvard Medical School. Für sein Buch erhielt er 2013 eine Auszeichnung für herausragende medizinische Kommunikation von der American Medical Writers Association. Hier schreibt ein Wissenschaftler und Forscher, der Tai Chi mit derselben Sorgfalt untersucht hat wie ein Medikament in einer klinischen Studie
Jede der acht Übungen dauert nur wenige Minuten, sodass die gesamte Abfolge meist in zehn bis fünfzehn Minuten durchgeführt werden kann. Das macht die Acht Brokate zu einer der besten körperlichen Aktivitäten überhaupt für Senioren: Sie passen morgens vor dem Frühstück, zwischendurch auf dem Balkon oder abends vor dem Schlafengehen – man braucht dafür weder eine Matte noch besondere Kleidung, nur ein bisschen Platz zum Stehen und dennoch steigern Sie nicht nur Ihre Mobilität sondern auch ihr Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und die körperliche Fitness.
Was die Wissenschaft dazu sagt
Auch wenn die Übungen selbst uralt sind, ist ihre vorbeugende Wirkung längst kein bloßes, traditionelles Wissen mehr, sondern inzwischen gut wissenschaftlich untersucht – gerade mit Blick auf ältere Menschen. Mehrere systematische Übersichtsarbeiten, die die Ergebnisse zahlreicher Studien mit insgesamt tausenden Teilnehmenden im zunehmenden Alter von 60 bis über 80 Jahren zusammenfassen, kommen zu einem deutlichen Ergebnis: Regelmäßiges Üben der Acht Brokate verbessert nachweislich das Gleichgewicht und die Standfestigkeit – ein Effekt, der in Studien sogar mit dem von zügigem Gehen verglichen wurde und dabei äußerst gut bei der Beinmuskulatur, der Beweglichkeit der Fußgelenke und damit dem vorbeugen von Stürzen abschnitt.
Darüber hinaus zeigen Untersuchungen positive Effekte auf die Muskelkraft, vor allem in den Beinen, was wiederum die Stand- und Gehsicherheit im Alltag stärkt. Auch bei Menschen mit beginnendem Muskelschwund (Sarkopenie), einem häufigen Thema im höheren Alter, konnten Verbesserungen der körperlichen Funktionsfähigkeit nachgewiesen werden. Und der Kopf profitiert auch mit: Studien berichten von positiven Effekten auf die geistige Leistungsfähigkeit sowie auf Stimmung und allgemeines Wohlbefinden – ähnlich wie es auch für Tai Chi belegt ist.
Diese Übereinstimmung ist kein Zufall. Die Acht Brokate teilen mit Tai Chi dieselbe Grundphilosophie: langsame, bewusste Koordination, verbunden mit ruhiger Atmung und innerer Aufmerksamkeit. Man könnte sie fast als kleine Schwester des Tai Chi bezeichnen – kompakter, leichter zu erlernen, aber mit einer verwandten und ebenso gut belegten Wirkung.
Einstieg ganz ohne Hürden
Was die Acht Brokate so besonders sympathisch macht, ist ihre Niedrigschwelligkeit. Man muss keine komplizierte Choreografie meistern und sich nicht vor dem Gefühl fürchten, etwas "falsch" zu machen. Die Bewegungen lassen sich im Stehen und bei Bedarf auch im Sitzen ausführen, das Tempo bestimmt jeder selbst, und schon nach kurzer Zeit stellt sich ein Gefühl der Vertrautheit ein. Wer sich fragt, ob Tai Chi das Richtige für einen ist, findet in den Acht Brokaten einen wunderbaren ersten Testlauf: eine kleine Kostprobe der ruhigen, fließenden Bewegungsqualität, ohne sich gleich auf eine längere Übungsreihe einlassen zu müssen.
Vielleicht ist das die schönste Erkenntnis dabei: Man muss nicht viel Zeit investieren oder etwas Kompliziertes lernen, um seinem Körper und Geist etwas Gutes zu tun. Kurze regelmäßige Bewegung, sprich zehn Minuten am Tag, ein bisschen Neugier und die Bereitschaft, sich auf die ersten ungewohnten Bewegungen einzulassen – mehr braucht es nicht, um zu spüren, warum diese jahrhundertealte Übung bis heute so viele Menschen begleitet. Ein Griff nach dem Himmel, ein Blick zurück über die Schulter, das sanfte Ziehen der Bogensehne – und schon ist man mittendrin in einer kleinen, wohltuenden Reise, die sich Tag für Tag wiederholen lässt.
Die Acht Brokate – Jede Bewegung einzeln erklärt
Nachdem wir uns die Wirkung der Acht Brokate angeschaut haben, hier nun die praktische Seite: die acht einzelnen Übungen, kurz und anschaulich erklärt. Das Schönste vorab: Die komplette Abfolge dauert maximal zehn Minuten – oft reichen sogar sieben oder acht. Es gibt also keine Ausrede, es nicht einfach heute schon auszuprobieren.
1. Die Hände zum Himmel heben
Man steht aufrecht, verschränkt die Finger vor dem Bauch und hebt die Arme langsam über den Kopf, während man sich auf die Zehenspitzen erhebt – als wolle man den Himmel ein Stückchen weiter nach oben schieben. Dann sinkt man wieder sanft zurück. Diese Bewegung dehnt den ganzen Oberkörper, öffnet den Brustkorb und vertieft ganz von selbst die Atmung. Ein wunderbarer Wachmacher für den Start in den Tag.
2. Ein Bogenschütze nach beiden Seiten
In leichter Grätsche stellt man sich vor, mit einem Arm einen imaginären Bogen zu spannen, während der andere Arm zur Seite ausgestreckt wird, als würde man mit dem Zeigefinger auf ein fernes Ziel deuten. Dann wechselt man die Seite. Diese Übung kräftigt sanft Schultern und Arme und stärkt gleichzeitig das Gefühl für die eigene Standfestigkeit.
3. Einen Arm, um Milz und Magen zu regulieren
Ein Arm streckt sich mit der Handfläche nach oben zum Himmel, während die andere Hand mit der Fläche nach unten sanft zum Boden drückt – so, als würde man den Körper zwischen zwei Punkten in die Länge ziehen. Danach wechselt die Seite. Diese Dehnung entlang der ganzen Körperseite tut besonders im Bauchraum gut und kann das Gefühl von Verspannung nach dem Sitzen lösen.
4. Zurückblicken, um die Halswirbelsäule zu mobilisieren
Aus dem aufrechten Stand dreht man Kopf und Oberkörper sanft zur einen Seite, als würde man über die Schulter zurückschauen, und kehrt dann zur Mitte zurück, bevor man zur anderen Seite blickt. Diese leichte Drehung mobilisiert die Halswirbelsäule und den oberen Rücken – ideal für alle, die im Alltag viel sitzen und unter Verspannungen im Nacken leiden.
5. Becken kreisen, um die Spannungen im Rumpf zu lösen
Ausgehend aus einem leicht in die Knie gehenden Stand bewegt man Kopf und Oberkörper in einer weichen, kreisenden Bewegung – ganz ohne Härte, eher wie ein sanftes Wiegen. Diese Übung löst Spannungen im gesamten Rumpf und schult ganz nebenbei das Gleichgewicht, weil man während der Bewegung stabil auf beiden Beinen stehen bleibt.
6. Nach den Füßen greifen - Nieren und Rücken zu stärken
Man beugt sich behutsam nach vorne und lässt die Hände den Beinen entlang so weit nach unten gleiten, wie es angenehm ist – ganz ohne Zwang, jeder so weit, wie es der eigene Körper zulässt – und richtet sich anschließend langsam wieder auf, wobei man die Hände über den Rücken nach oben führt. Diese Bewegung kräftigt sanft die untere Rückenmuskulatur, die im Alter oft besonders beansprucht wird.
7. Die Fäuste ballen und nach vorne drehen
Aus einem stabilen, leicht gebeugten Stand stößt man abwechselnd mit einer Faust nach vorne, während die andere Hand als Gegenzug zur Hüfte zurückgezogen wird – begleitet von einem wachen, konzentrierten Blick. Diese Übung baut spielerisch Kraft in Armen und Beinen auf und stärkt das Selbstvertrauen in die eigene Körperkraft.
8. Sich auf Zehenspitzen erheben, um den Kreislauf anzuregen
Zum Abschluss stellt man sich mit geschlossenen Füßen hin und hebt sich mehrfach hintereinander sanft auf die Zehenspitzen, bevor man die Fersen wieder ruhig absenkt. Diese einfache, fast beiläufig wirkende Bewegung regt den Kreislauf an und rundet die Übungsreihe harmonisch ab.
Zehn Minuten und mit mehr Gelassenheit den Tag erleben
Was diese acht Übungen so besonders macht, ist ihre Bescheidenheit in der Ausführung und ihre große Wirkung im Ergebnis. Man braucht kein Fitnessstudio, kein Sportoutfit, keine Ausdauer oder Vorkenntnisse – nur ein bisschen freien Raum vor dem Sofa, neben dem Bett oder auf dem Balkon. Wer alle acht Bewegungen einmal ruhig durchgeht, benötigt dafür kaum mehr als sieben bis zehn Minuten. Das ist weniger Zeit, als man morgens für eine Tasse Kaffee braucht – und doch reicht genau diese kurze Zeitspanne aus, um fit zu bleiben, die Gelenke zu lockern, das Gleichgewicht zu trainieren und damit das Sturzrisiko zu minimieren oder den Tag mit einem Gefühl der inneren Ruhe zu beginnen.
Es lohnt sich also nicht auf den "perfekten" Moment zu warten. Man kann einfach beginnen – vor dem Frühstück, in der Mittagspause oder abends als Ritual. Niemand muss dabei alles "richtig" oder "perfekt" machen. Es zählt einzig und allein, dass man sich die Zeit nimmt und sich und dem eigenen Körper diese kleine, wertvolle Aufmerksamkeit schenkt. Einige Minuten am Tag, die sich mit der Zeit zu spürbar mehr Beweglichkeit, Stabilität und Wohlbefinden summieren – ein kleiner Schritt, der gerade für Seniorinnen und Senioren eine Menge bewirkt.
Referenzen - Wissenschaftler:innen im Artikel
für mehr Informationen klicken Sie auf den Namen - weitere Wissenschaftler:innen im "who is who"
Peter Wayne: Peter Wayne ist außerordentlicher Professor für Medizin an der Harvard Medical School und Forschungsdirektor am Osher Center for Integrative Medicine in Boston.
Im Park - Renate und Inge plaudern über Tai Chi


Kurzfassung des Dialogs - Plaudern im Park über Tai Chi
Renate trifft im Park ihre Freundin Inge, die eine Tai-Chi-Gruppe neugierig beobachtet. Inge erzählt dabei Renate, dass sie selbst seit einigen Wochen Tai Chi übt – und ihre hartnäckigen Schulterschmerzen dadurch fast verschwunden sind. Renate ist zunächst skeptisch über dieses "langsame Herumfuchteln", doch Inge erklärt ihr: Anders als bei Aerobic fühlt man sich danach nicht erschöpft, sondern viel eher "frisch“ oder „frisch geölt". Besonders interessant fand Inge, was ihre Kursleiterin dazu erklärt hat: Nicht die Muskeln machen im Alter steif, sondern das Bindegewebe drumherum, also die Faszien – denn diese können sich "wie ein Wollknäuel" verkleben. Und genau diese werden durch die sanften, runden Tai-Chi-Bewegungen gelöst. Am Ende ist Renate neugierig geworden und will auf Einladung von Inge, sich die nächste Stunde zumindest einmal anschauen.
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