Die geheime Aktivität des Gehirns

GUTE GEFÜHLE

Lange Zeit glaubte die Wissenschaft, Gefühle sind quasi universell oder angeboren. Man stellte sich vor, dass es für jedes Gefühl einen festen „Schaltkreis“ im Gehirn gibt. Doch Lisa Feldman Barretts Erkenntnisse „Wie Gefühle (wirklich) entstehen“ waren ein bahnbrechender Wendepunkt in der Wissenschaft. Besonders im Verständnis wie sich Gefühle bilden und wie wir sie erleben..

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Wissen - Die geheime Aktivität des Gehirns

Haben Sie auch schon mal erlebt, dass Sie in einer bestimmten Situation gestresst oder verärgert waren, während eine andere Person völlig gelassen reagierte? Oder wenn jemand zu Tränen gerührt ist, beispielsweise bei einem Film, es andere aber überhaupt nicht tangiert, vielleicht sogar egal ist. Lange Zeit, besser gesagt, bis vor Kurzem, glaubte die Wissenschaft, dass Gefühle gewissermaßen, fest verankerte neuronale Netzwerke oder Verdindungen sind, die in jedem Menschen, durch bestimmte Umstände ausgelöst und abgespielt werden.

Doch durch die bahnbrechenden Erkenntnisse der Neurowissenschaftlerin Dr. Lisa Feldman Barrett, dass unser Gehirn zu einem großen Teil Gefühle produziert, änderte sich die Sicht fundamental. Kommen Sie mit auf eine spannende Reise in das „geheime Leben des Gehirns“, die auf dem Buch von Lisa Feldmann Barrett ,„Wie Gefühle gemacht werden. (Originaltitel „How Emotions are made“ – The secret life of the brain.) basieren.

Möglicherweise wird es Ihr Verständnis über Gefühle sogar auf den Kopf stellen, weil in der allgemeinen Vorstellung, ein Gefühl etwas ist, was einfach in uns entsteht oder bereits vorhanden ist, wie ein angeborener Reflex. Das war auch die Annahme der Wissenschaft, bis Lisa Feldman-Barrett kam und eine beeindruckende Wahrheit enthüllte, nämlich, dass Gefühle, keine „fixen Programme“ sind, sondern erst durch Erfahrungen entstehen und gebildet werden.

Obwohl diese Erkenntnis bestimmt überraschend ist, so hat sie auch etwas Gutes. Denn wenn wir oder unser Gehirn unsere Gefühlswelt erschafft, dann können wir darauf auch einen Einfluss nehmen, sie zum Beispiel verändern oder „neu erschaffen“. Es bedeutet, dass wir auch im höheren Alter, selbst nach schlechten oder schwierigen Erfahrungen, aktiv Einfluss auf unsere Gefühlswelt und unser emotionales Wohlbefinden nehmen können.

Gefühle als fixe Programme

Die Wissenschaft glaubte, Gefühle sind universell und angeboren. Man stellte sich vor, dass es für jedes Gefühl, ob Freude, Wut, Angst oder Trauer, ein eigener „Schaltkreis“ im Gehirn vorhanden ist. Wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt, wird dieser Schaltkreis aktiviert, und wir erleben das entsprechende Gefühl. Jahrzehntelang suchte man nach den Schaltkreisen, fand sie aber nicht. Es gibt kein Wut-Zentrum oder Freude-System, das bei allen Menschen gleich funktioniert. Die Realität ist viel persönlicher und vor allem – das ist die besondere Nachricht – ein Leben lang beeinflussbar.

Lisa Feldman Barretts Erkenntnisse „Wie Gefühle entstehen“ waren ein Wendepunkt in der Wissenschaft. Besonders im Verständnis über die Entwicklung, wie auch das Erleben und die Veränderung, gerade bei belastenden und negativen Gefühlen. Sie besagt, dass Gefühle nicht einfach „nur“ ausgelöst werden, sondern von unserem Gehirn in jedem einzelnen Moment erschaffen werden. Stellen Sie sich Ihr Gehirn nicht als ein abhängiges Etwas vor, das einfach nur erlebt, was gerade passiert. Stellen Sie es sich eher wie einen unentwegten Akteur vor, der ständig Vermutungen anstellt und Vorhersagen trifft, was aktuell oder in Kürze passieren könnte. Lisa Feldman Barrett machte folgende Entdeckungen.

Das Gehirn ist eine "Vorhersagemaschine"

Unser Gehirn reagiert nicht, sondern es sagt Dinge vorher. Basierend auf all den bisher gemachten Erfahrungen und Ihrem persönlichen Wissensstand. Es trifft permanent Vorhersagen, was als Nächstes passieren wird oder könnte und welche Bedeutung das für Sie persönlich hat. Es fragt sich „Kenne ich die Situation? Was ist letztes Mal passiert, als ich so etwas ähnliches erlebte? Was muss ich jetzt tun, um vorbereitet zu sein? Ausgehend von der Annahme, dass es genauso wieder kommen wird.

Mit anderen Worten, so ähnlich, wie die Wettervorhersage, die wir alle aus dem Radio oder Fernsehen kennen. Und wie schon der Begriff Vorhersage zum Ausdruck bringt, wird hier etwas vermutet oder vielleicht auch berechnet, wie etwas kommen möge oder könnte. Wir alle kennen das und natürlich ist es in gewisser Weise auch nützlich und hilfreich. Aber es kam oft auch schon anders, als berechnet oder vorhergesagt. Das kennen wir genauso. Vorhersagen sind eben keine Wahrheiten, sondern manchmal mehr und manchmal weniger präzise Prognosen. (Der Wetterdienst möge mir vergeben).

Affekte und Signale aus dem Körper

as Gehirn empfängt Signale aus dem Körper – sogenannte „Affekte“, das sind körperliche Reize oder Empfindungen. Zum Beispiel: ihr Herz schlägt schneller, Ihre Handflächen schwitzen, Ihr Magen zieht sich zusammen, Sie fühlen sich energiegeladen oder müde, angenehm oder unangenehm, und so weiter. Affekte sind die Rohmaterialien, die das Gehirn für die Vorhersagen nützt. Es sind noch keine Gefühle, sondern nur diffuse Wahrnehmungen von Wohlsein oder Unwohlsein, von Erregung oder Ruhe, woraus in Folge die Gefühle "gemacht" werden.

Die geheime Aktivität des Gehirns

Nun kommt das Entscheidende, das den größten Einfluss auf die „Entstehung der Gefühle“ hat. Das Gehirn nimmt und verarbeitet diese Signale aus dem Körper und gleicht sie mit allen, bereits bekannten Erfahrungen ab. So erstellt es die Prognosen. Anders gesagt: „Weil es gestern so war, wird es auch heute wieder so kommen“.

Nehmen wir ein Beispiel „Prüfungsangst oder Nervosität bei Prüfungen“. Wenn ihr Gehirn einmal gelernt hat, dass Sie bei Prüfungen nicht besonders gut sind, spielen die Gründe weshalb, keine Rolle. Vielleicht haben sie sich früher einmal sich zu wenig vorbereitet oder es wurde etwas Außerordentliches und zu Schwierigies gefragt. Das war dann eben der Grund für die schlechte Beurteilung und würde wahrscheinlich nicht noch einmal passieren, wenn Sie sich dieses Mal besser vorbereiten. Wenn aber einmal im „Gefühls-Archiv“ etwas verankert und gespeichert ist, wird ihr Gehirn Gefahr signalisieren, auch wenn Sie bestens darauf vorbereitet sind.

Das Gehirn hat eine Formel für Gefühle

Die Formel für Gefühle in ihrem Gehirn lautet: „körperliche Signale, + bekannte Situation, + bereits erlebte Erfahrung; = das Gefühl. Die Vorhersagen des Gehirns beziehen sich nicht auf aktuelle Umstände oder die Gegenwart, sondern konstruiert, aus den Daten, die im Gefühls-Archiv gespeichert sind, die Vorhersage. Wenn Sie also mit dem Rad, weil es geregnet hat, in einer Kurve, gestürzt sind, markiert das Gehirn diese Kurve als gefährlich und schickt das entsprechende Gefühl, beim nächsten Mal, wenn Sie zu dieser Kurve kommen, auch wenn die Sonne scheint.

Was bedeutet das konkret?

Unser Gehirn reagiert nicht, sondern agiert im Voraus und bestimmt die Dinge vorher. Basierend auf all Ihren Erfahrungen und Ihrem Wissen, trifft es blitzschnelle Vorhersagen, was passieren wird oder könnte. Es fragt sich ständig „Kenne ich die Situation? Und was muss ich jetzt tun, um vorbereitet zu sein? Ausgehend von der Annahme, dass es wieder genauso kommen wird.

Nach dem Sturz, um bei der "gefährlichen" Kurve zu bleiben, wird ihr Gehirn „diese Kurve markieren und speichern“. Damit wird das Gefühl in Ihnen verankert. Wenn sie aber die Entscheidung treffen oder den Mut aufbringen, die Kurve erneut und immer wieder zu fahren und keinen Sturz erleben, wird auch ihrem Gehirn klar, es war nicht die Kurve, es waren die Umstände, in diesem Fall der Regen.

Natürlich gibt es Ereignisse und Situationen oder auch Menschen, die besonders gefährlich oder bedrohlich sind. In manchen Fällen erleben wir sogar sehr heftige oder intensive Gefühle, die uns möglicherweise aggressiv, wütend oder ängstlich machen, vielleicht auch blockieren und unser ganzes Leben lang schon begleiten. Auch solche Gefühlsmuster oder Prägungen, können wir, wenn wir uns der Ursprünge bewusst werden, und den Mut haben, genauer hinzusehen, verändern. Lesen oder hören Sie dazu den Beitrag einer wirklich beeindruckenden und wahren Begebenheit: „die Bankfrau aus Zürich“

Das emotionale Archiv

Buchtipp

Wie Gefühle entstehen

Lisa Feldman Barrett

Hier geht's zu Teil 2 des Beitrags - "Ich kann fühlen, was ich will"

Eine Radfahrt - die beängstigende Kurve

Die beängstigende Kurve

Szenario: Luise und Renate sitzen nach einer kurzen gemeinsamen Fahrt mit dem Fahrra in ihrem Lieblingscafé. Die Sonne scheint, und Renate strahlt eine ungewöhnliche Gelassenheit aus.

Luise: Sag mal, Renate, mir ist heute etwas aufgefallen. Als wir vorhin um diese Kurve bei dir am Ende der Straße gefahren sind... du warst ganz anders als sonst.

Renate: (lächelt und nippt an ihrem Kaffee) Dir entgeht aber auch gar nichts, was? Ja, du hast recht. Es war wirklich anders.

Luise: Anders ist gut! Normalerweise bremst du wie eine Wilde, ganz nervös und unruhig und fährst im Schneckentempo, als könntest du jeden Moment hinfallen. Aber heute bist du da durchgesaust, als wär nichts.

Renate: Weil heute auch nichts war. Zum ersten Mal seit Jahren. Du weißt ja, warum ich vor dieser Kurve immer so einen Bammel habe oder hatte. Seit diesem Sturz damals...

Luise: Natürlich weiß ich das. Du bist ausgerutscht und hast dir den Arm gebrochen. Kein Wunder, dass du da vorsichtig wirst.

Renate: Vorsichtig, ja. Aber bei mir war es mehr als das. Es war echt Angst, so bald ich zu dieser Kurve kam, fing mein Herz zu klopfen an, meine Hände wurden feucht, mein Körper hat einfach auf Panik geschaltet.

Luise: Ist ja auch verständlich. Eine schlechte Erfahrung brennt sich einfach ein.

Renate: Genau das dachte ich auch. Aber stell dir vor, ich lese gerade dieses Buch, von dem ich dir erzählt habe. Von dieser Neurowissenschaftlerin Feldman Barrett. Und ob du es glaubst oder nicht das hat was verändert

Luise: Ach ja, das Buch über die Gefühle, ..... wie sie entstehen oder so. Und was sagt die Frau? Dass man keine Angst haben soll?

Renate: (lacht) Nein, nicht so einfach. Sie erklärt, wie unser Gehirn funktioniert. Es reagiert nicht nur, sondern macht ständig Vorhersagen, auf Grund früherer Erfahrungen. Mein Gehirn hat sich den Sturz gemerkt und meldet: "Aha, diese Kurve kommt, die ist gefährlich. Letztes Mal gab‘s hier ein Problem. Achtung! Gefahr! Alarmstufe Rot!" ... und dann hat es automatisch meinen Körper darauf vorbereitet, auf den Sturz und um mich davor zu schützen – mit allem was dazugehört Herzklopfen, Schweißhänden, zittern und so weiter.

Luise: Klingt logisch.

Renate: Ja, aber die Vorhersage war nicht richtig.

Luise: Was meinst du, sie war nicht richtig.

Renate: Also, ich erklär’s dir. Im Buch steht, dass unser Gehirn, für solche Erfahrungen eine simple Regel hat. Es hat sich gemerkt: Kurve gefährlich = Sturz. Aber das stimmte ja so nicht!

Luise: Sondern?

Renate: Damals als ich gestürzt bin, hat es geregnet oder gerade aufgehört, also war die Strasse naß und es war auch nasses Laub auf der Strasse. Mein Hirn hat in der Aufregung und Panik den Regen, die nasse Strasse und die Blätter einfach ignoriert. Das wurde mir, nachdem ich im Buch gelesen habe, wie es funktioniert, klar.

Luise: Und das hat dir heute geholfen?

Renate: Denk schon, ich hab’s ja ausprobiert und ja. Als wir heute auf die Kurve zufuhren, kam kurz davor das Gefühl wieder hoch. Aber anstatt mich überrumpeln zu lassen, habe ich zu mir gesagt: „Stopp, die Sonne scheint, die Strasse ist trocken und kein Laub zu sehen. Es gibt also keinen Grund für eine Angst.

Luise: (schaut sie ungläubig und mit großen Augen an) Das hat funktioniert?

Renate: Man glaubt es nicht, es war wie ein Schalter den ich umlege und siehe da. Die Anspannung in meinen Armen ließ nach, ich bin durch die Kurve gerollt, fast ganz entspannt, geb ich zu. Aber es war auch das erste Mal, dass ich es probiert habe. Wenn’s stimmt, was diese Feldman Barrett sagt, dann hab ich meinem Gehirn, neue Befehle oder Daten gegeben, damit es seine Vorhersage korrigiert.

Luise: Wow,.... das klingt ja fast übernatürlich Renate. Ist ja faszinierend. Du hast also quasi dein Gehirn oder wie soll ich sagen, dein Gefühl verändert.

Renate: Sozusagen! Das ist auch das, wie soll ich sagen, die eigentliche Aussage in diesem Buch. Gefühle sind keine Zufälle, sondern entstehen aus Erfahrungen. Wenn wir verstehen, wie, wo oder warum sie entstanden sind, können wir sie auch verändern. Das macht natürlich nur Sinn bei beängstigenden Gefühlen oder so. Und naja, es fühlt sich wirklich befreiend an. (lächelt dabei).

Luise: Prost, auf dein neues Gefühl (beide lachen) Find ich ja echt toll.

Häufige Fragen - "wie Gefühle entstehen"
Was ist die Kernaussage des Buches?

Die Kernaussage ist, dass Gefühle nicht angeboren oder universell sind, sondern erst durch Erfahrungen entsten und dass sie von unserem Gehirn in jedem Moment, bezogen auf die jeweilige persönliche Erfahrung aktiv konstruiert werden. Dein Gehirn kombiniert dabei Signale aus deinem Körper, der Situation und den bisherigen Lebenserfahrungen.

Sind Gefühle unecht, wenn sie nur „gemacht“ sind?

Natürlich, sind sie echt, aber subjektiv, also nicht bei jedem gleich Die Tatsache, dass sie konstruiert werden, macht sie nicht weniger real oder wirkungsvoll. Es erklärt nur den Prozess, wie sie entstehen, und gibt dir damit mehr Einfluss darauf.

Was genau ist mit dem „Body Budget“ gemeint?

Body Budget ist eine bildhafte Metapher für die Energieressourcen des Körpers. Alles, was Energie gibt (Schlaf, Essen, Freude, Miteinander), zahlt ein. Alles, was Energie kostet (Stress, Anstrengung), hebt ab. Ein niedriges Budget führt zu einem unangenehmen Lebensgefühl, voll von Ängsten, Sorgen, Unsicherheit und ähnlichem.

Kann ich meine Gefühle also kontrollieren und entscheiden, glücklich zu sein?

Ganz so einfach ist das nicht, sicher nicht per Knopfdruck, aber man kann das Niveau für für die Gefühle beeinflussen und heben. Indem man auf sein Body Budget (Gefühls-Konto) achtet, bewusster mit bestimmten Situationen umgeht oder auch Selbst-Empathie fördert, wird man zum aktiven Gestalter des Gefühlslebens.

Welche Rolle spielt meine Kindheit und Erziehung dabei?

Eine wichtige Rolle. Denn gerade in der Kindheit lernen wir die emotionalen Regeln oder Konzepte unserer Familie. Die Art, wie deine Eltern über Gefühle gesprochen und sie vorgelebt haben, hat dein Gehirn darauf trainiert. Man könnte sich mal fragen: „wie war die „Gefühls-Bilanz“ in meiner Familie, sprich wie ist man mit Freude, Beziehung, Vertrauen, Miteinander, Ärger oder Streit umgegangen?

Bedeutet das, ich bin selbst schuld, wenn ich mich schlecht fühle?

Zuallererst, geht es nicht um Schuld, sondern um die Fragen „Wie fühle ich mich generell?“ und wenn nötig, „Was bräuchte ich, dass es mir besser geht?“ Beispiel Selbstkritik. Menschen die sich – wenn auch unbewusst – ständig selbst kritisieren, können sich damit schlecht wohl fülen. Die Theorie zeigt, dass du deinem Gehirn neue Wege beibringen kannst, um damit umzugehen. Es ist eine Befähigung, keine Anklage.

Warum ist diese neue Sichtweise wichtig?

Sie hat weitreichende Folgen – für unsere psychische und physische Gesundheit, und für unser alltägliches Miteinander. Sie fördert Empathie, weil wir verstehen, dass die Gefühle anderer Menschen genauso real und konstruiert sind wie unsere eigenen. Damti bekommt zum Beispiel auch „Rechhaben“ einen anderen Stellenwert.

Was ist der einfachste erste Schritt, um dieses Wissen anzuwenden?

Wer selbst ein positives, also „gut gefülltes Gefühls-konto“ hat, ist entspannt und kann es sich leisten freundlich zu sein und gelassenden Herausforderungen des Alltag begegnen. Selbstfreundlichkeit und Selbst-Empathie sind dazu ein Schlüssel. Wer mit sich selbst freundlich und verstännisvoll umgeht, kann das auch mit anderen.

„Es fühlt sich aber nicht so an, wenn ich wütend bin. Das Gefühl kommt blitzschnell und automatisch und fühlt sich nicht ‚konstruiert‘ an.“

„Das Gehirn ist blitzschnell, die Nervenimpulse erreichen eine Geschwindikeit, bis zu 400 km/h, also in Sekundenbruchteilen. Automatisch, weil es nach jahrzehntelanger Übung schon automatisch und unbewusst reagiert. Denk ans Lesen: Als Kind musstest du Buchstaben mühsam zusammensetzen. Heute siehst du ein Wort und erfasst seine Bedeutung sofort. Dein Gehirn macht mit Emotionen genau dasselbe – es ist ein hochtrainierter, automatisierter Prozess.“

„Das klingt danach, als wären Gefühle ‚nur Einbildung‘ und nicht real. Das wertet meine Erfahrungen ab.“

„Im Gegenteil. Die Theorie besagt nicht, dass Gefühle nicht real sind – sie sind zu 100 % real. Sie erklärt nur, wie diese reale Erfahrung in deinem Gehirn und Körper entsteht. Es ist keine ‚Einbildung‘, sondern ein biologischer Prozess. Zu verstehen, wie ein Kuchen gebacken wird, macht den Kuchen ja auch nicht weniger echt oder real, sonder es gibt dir nur das Rezept, um ihn zu backen.“

„Was ist mit Babys? Sie können noch keine Konzepte gelernt haben, zeigen aber trotzdem Freude oder Angst.“

Antwort: „Hier unterscheidet die Wissenschaft zwischen ‚Affekt‘ und ‚Emotion‘. Babys erleben definitiv Affekte – also körperliche Zustände von Wohlbehagen, Unbehagen, Erregung oder Ruhe. Aber sie haben noch nicht das komplexe, gelernte Konzept von ‚Enttäuschung‘, ‚Stolz‘ oder ‚Dankbarkeit‘. Das lernen sie erst durch ihre Bezugspersonen.

„Das ist viel zu kompliziert. Das alte Modell von Auslöser und Reaktion ist einfacher und funktioniert eben so.“

„Die Theorie der konstruierten Emotionen ist zwar detaillierter, aber sie ist unendlich viel nützlicher. Sie erklärt diese Unterschiede, warum zwei Menschen unterschiedlich reagieren und gibt uns konkrete Werkzeuge an die Hand, um unser Wohlbefinden aktiv zu verbessern, anstatt uns als Opfer unserer angeblich fest verdrahteten Gefühle zu sehen.“

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