Ich kann fühlen, was ich will

GUTE GEFÜHLE

Lange Zeit glaubte die Wissenschaft, Gefühle sind quasi universell oder angeboren. Man stellte sich vor, dass es für jedes Gefühl einen festen „Schaltkreis“ im Gehirn gibt. Doch Lisa Feldman Barretts Erkenntnisse „Wie Gefühle (wirklich) entstehen“ waren ein bahnbrechender Wendepunkt in der Wissenschaft. Besonders im Verständnis wie sich Gefühle bilden und wie wir sie erleben..

in Kürze - worum geht's
Wissen - Ich kann fühlen, was ich will

Dr. Lisa Feldman Barretts Forschung zeigt, , dass wir einen viel größeren Einfluss auf unsere Gefühle und unser Erleben haben, als gedacht. Unser Gehirn ist also ein Hauptakteur in der Erschaffung von Gefühlen. Was können wir gegebenenfalls tun oder dabei entdecken, um trotz so mancher schlechten oder belastenden Erfahrung, unsere Gefühlswelt und unser Wohlbefinden positiv zu beeinflussen?

Gerade in späteren Jahren oder Alter besitzen wir die Zeit vor allem aber auch die Freiheit, dieses Wissen gezielt zu nützen. Jede bewusste Entscheidung kann eine gewinnbringende Investition für unser körperliches und seelisches Wohlbefinden, sowie unsere Gesundheit sein. Aufbauend auf Lisa Feldman Barretts Erkenntnissen bieten sich dafür mehrere Ansätze, als Hilfsmittel für ein entspanntes Lebensgefühl, an.

Das "Body-Budget" oder Gefühls-Haushalt

Lisa Feldman Barrett spricht beim „Body Budget“, von einem Konzept, das wir als eine Art „Gefühls-Haushalt oder Konto“ verstehen können. Unser Organismus hat hier, ähnlich einem Konto, zwei Kontospalten. Eine Plusspalte, also gute Gefühle und eine Minus-Spalte, für unangenehme oder negative Gefühle. Feldman Barrett betont, dass unser Gehirn dabei wie ein Buchhalter oder besser gesagt Energieverwalter fungiert. Diese Erkenntnis ist nicht neu, sondern wurde schon in den Anfängen der Hirnforschung deutlich. Einer der bekanntesten Neurologen, Richard Davidson, wies schon vor zwanzig Jahren darauf hin, dass „die Art und Weise, wie wir im Alltag denken, eine Grundstimmung im Gehirn erzeugt“. Damit ist er nicht der Einzige, mittlerweile wurde es mehrfach durch andere Forschungsarbeiten und -studien bestätigt.

Das Gefühl von Sicherheit, sprich das Gefühl „mir geht es gut“ hängt direkt vom Kontostand deines Gefühls-Kontos ab. Ist das Konto gut gefüllt, bist du im Guthaben, fühlst du dich ausgeglichen, belastbar und voller Energie. Guter Schlaf, jede befriedigende Mahlzeit, Bewegung oder Momente der Freude, wo immer wir uns etwas Gutes tun, sind direkte Einzahlungen auf das Plus-Konto. Die Herausforderungen des Alltags spielen dann keine große Rolle, selbst wenn es manchmal schwierigere Momente gibt. Stress hingegen oder schlaflose Nächte, ewiger Streit und ständig negative Gedanken sind dagegen Abbuchungen und verringern den „Kontostand“. Wenn das Konto laufend überzogen wird, fühlt man sich erschöpft, angespannt, gereizt und oft auch überfordert. Das Beste an Feldman Barretts Erkenntis ist jedoch, dass wir selbst dafür sorgen können, unsere „Plus-Kontostand“ zu erhöhen. Wir sind nicht abhängig von äußeren Bedingungen oder Umständen, wie es bei einem Bankkonto der Fall ist.

Hier kommt die Selbstfürsorge oder Selbst-Empathie ins Spiel. Sie ist die klügste Investition und Einzahlungsmöglichkeit für das Gefühls-Guthaben. Jedes Mal, wenn wir für uns bewusst etwas Gutes tun, tätigen wir eine Einzahlung. Aber Achtung, das weiß natürlich auch die Werbeindustrie und verleitet uns damit, etwas zu kaufen. Das braucht es aber nicht. Vielmehr geht es um die kleinen, bewussten Entscheidungen im Alltag, die unser Guthaben wachsen lassen und uns ein gutes Gefühl bringen.

Die Wissenschaft hinter der Selbstfürsorge

Es gibt mehrere fundierte Wissenschaftler:innen, die in diesem Bereich durch Studien eine Menge an Erkenntnisse hervorbrachten. Eine davon ist Dr. Kirstin Neff, eine der weltweit führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Selbst-Empathie (oder Selbstfürsorge, wie Sie es nennt). In ihrem Buch „Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen und uns selbst der beste Freund werden“ beschreibt sie, welche Wirkung Selbstfürsorge auf unser persönliches Leben und Befinden hat und somit auch für unser Gefühls-Guthaben. In einer der nächsten Beiträge werden wir genauer auf Dr. Neffs Erkenntnisse eingehen. Eine weitere interessante Perspektive liefert die Gesundheitspsychologin Dr. Kelly McGonigal, die konkret über das Thema „Selbstfürsorge und Stress“ forscht und beschreibt, wie wir durch Selbstmitgefühl mehr Sicherheit und Widerstandskraft erlangen. Auch dazu werden noch weitere Beiträge folgen.

Ich kann fühlen, was ich will

Das klingt natürlich etwas provokant, weil wir allgemein davon überzeugt sind, dass wir auf unsere Gefühle, wenn überhaupt nur einen sehr geringen Einfluss haben. Wie sollte es auch anders sein, denn schließlich haben wir es so gelernt oder erfahren und schließlich gab es bis heute nichts, was dem widersprechen konnte. Und nun taucht Lisa Feldman Barrett auf und stellt diese grundlegende Annahme oder Überzeugung in Frage. Können wir wirklich fühlen was wir wollen? ...... Haben wir wirklich einen Einfluss auf unsere Gefühlswelt? Um auf diese Fragen einzugehen, macht es vielleicht Sinn, einma die Perspektive zu wechseln.

Stell dir vor, du wärst ein Gourmet-Kritiker oder Sommelier für die eigenen Gefühle. Jemand der sich bislang noch nie damit beschäftigt hat, kann sich darunter nur wenig vorstellen. Ein Anfänger würde beispielsweise bei Wein, zuerst nur einmal den Unterschied zwischen Weißwein und Rotwein erkennen oder benennen. Im Laufe der Zeit, also mit etwas Übung, dann schon mehr und schließlich als Kenner oder Experte sogar die Nuancen. Genau dieses Prinzip könnten wir auf unser Innenleben oder unsere Gefühlswelt übertragen.

Wir tendieren dazu, Gefühlen einfache Namen oder Etiketten zu geben: „ich bin wütend, ... oder ...ich habe Angst ... ich bin gestresst“ und so weiter. Das ist, als würden wir nur „Rotwein“ sagen. Die Kunst zu mehr emotionaler Intelligenz oder Bewusstsein liegt darin, die kleinen „Unterschiede“ in diesen Gefühlen zu entdecken. Und nicht nur das, wenn wir uns wirklich ein wenig mehr damit beschäftigen, finden wir meist auch den Ursprung, also die Erfahrung, die ein Gefühl in uns geprägt hat. Erinnerst du dich vielleicht an den Film „Ratatouille“ und an die Szene in welcher der verbitterte Restaurant-Kritiker Anton Ego dieses einfache ländliche Gericht probiert? Es ist das perfekte Beispiel dafür, wie Gefühle in uns entstehen und wie wir sie erleben oder besser gesagt, welche Wirkung sie in uns auslösen. Sehen wir uns dieses Beispiel doch einmal an.

Der „Ratatouille-Moment“:

Als Anton Ego den ersten Bissen kostet, fällt sein Stift zu Boden, seine Augen weiten sich, und er wird augenblicklich in seine Kindheit zurückversetzt – an den Küchentisch seiner Großmutter, die ihm nach einem kleinen Unfall genau dieses Gericht gekocht hat, um ihn zu trösten. Der Geschmack des Essens war untrennbar mit dem Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit verbunden. Dieser Filmausschnitt ist ein perfektes Bild dafür, wie Gefühle in uns entstehen und funktionieren.

Ein Geruch, ein Geschmack, ein Vorfall, eine bestimmte Situation, ein grobes Wort, ein Tonfall, ein Blick oder Gestik von jemand anderen, kann ein altes, tief gespeichertes Gefühlspaket aus der Vergangenheit aktivieren. Wenn also ein bestimmtes Gefühl in uns auftaucht, müssten wir uns einmal fragen: „An welche frühere Situation in meinem Leben erinnert mich dieses Gefühl gerade?

Hier ist das Video von Anton Ego aus dem Film „Ratatouille“. Das Video gibt es zwar nur in Englisch, aber die Bilder sprechen für sich.

Emotionale Intelligenz

Wenn wir mal beginnen, unsere Gefühle zu erforschen und zu entdecken, entwickeln wir emotionale Intelligenz. Wir entwickeln uns zu einem Kenner, einem Experten oder, wenn Sie möchten, zu einem Sommelier für die eigenen Gefühle. Dieses tiefere Verständnis ist der Schlüssel zu echter emotionaler Intelligenz und innerer Gelassenheit. Der Nobelpreisträger Eric Kandel beschreibt es so: „Das Ausmaß persönlicher Freiheit hängt davon ab, wie bewusst wir uns sind“ und Lisa Feldman Barret meint dazu: „Genau das, ist der Schlüssel zu innerer Gelassenheit“. Wir erleben nicht mehr nur die Welle, die uns trifft, sondern wir werden zum Surfer, der sie versteht und der lernt, sie zu reiten.

Was bedeutet emotionale Intelligenz? Es geht in erster Linie darum, seine Gefühle oder auch nur ein bestimmtes Gefhühl zuerst einmal wahrzunehmen, es zu definieren, aber nicht darin zu versinken. Interessant dabei ist, dass Gefühle sich ähnlich wie eine Welle verhalten, denn sie gehen von selbst, wenn wir uns darin nicht verlieren oder folgen. Dazu gibt es mehrere wissenschaftliche Erkenntnisse, wovon zwei besonders bemerkenswert und hilfreich sind. Die Entdeckungen des Neurowissenschaftlers Joseph LeDoux und der Hirnforscherin Jill Taylor.

LeDoux hat in seiner Forschung, herausgefunden, dass unser Gehirn bei einer potenziellen Gefahr zwei Wege nutzt. Den schnellen Angst oder Alarm-Weg und den langsamen oder bewussten Denk-Weg. Seine wichtigste Entdeckung aber war, dass die körperliche Reaktion (also der schnelle erste Weg) und die bewusste gedankliche Reaktion (der langsame oder zweite Weg), unterschiedliche Wege sind, in welchen das Gehirn eine kurze „Pause“ macht.

Genau diese Pause könnten wir nützen, um uns von einem Gefühl, also der körperlichen Reaktion zu lösen oder zu entkoppeln, wie LeDoux es nennt. Klingt einfach, braucht aber doch ein wenig Übung. Ist wie Fliegenfangen, weil alles ziemlich schnell geht.

Anders erklärt: Nur weil dein Feuermelder losgeht (Herzklopfen), heisst das noch lange nicht, dass bereits das Haus brennt. Es könnte ja auch nur der Toaster sein, der den Feuermelder ausgelöst hat. Die Entkoppelung gibt dir also die Möglichkeit, nicht gleich in Panik zu verfallen, sondern in Ruhe nachzudenken oder nachzusehensehen, was den Alarm ausgelöst hat. Diese Erkenntnis von LeDoux wurde in Folge viel detaillierter von Daniel Kahnemann untersucht und seine Studien in dem Buch „schnelles Denken, langsames Denken“ publiziert, wofür auch er den Nobelpreis erhielt.

Die 90 Sekunden Regel von Jill Taylor

Einen viel einfacheren Weg, zeigt hingegen Jill Bolte Taylor mit ihrer 90 Sekunden Regel. Diese besagt, dass wenn wir dem alarmierenden Weg, also der schnellen Gefühlswelle nicht folgen, sondern sie nur wahrnehmen und nicht vertiefen, diese in 90 Sekunden, von selbst weiterzieht oder sich auflöst. Also bildhaft wie eine Welle im Meer, die kommt, aber auch wieder geht, wenn wir uns von ihr nicht mitreissen lassen. Einen ausführlicheren Beitrag über Jill Taylors Erkenntnise, finden Sie hier.

Hier geht's zu Jill Bolte Taylors - "90 Sekunden Regel"

Surfen mit Gefühl

Buchtipp

Wie Gefühle entstehen

Lisa Feldman Barrett

Eine Erkenntnis - die Warteschlange an der Kassa

Die Warteschlange an der Kasse

Szenario: Ernst und Karl treffen sich im Beisl, Ernst geht ungewohnt entspannt und kommt auf Karl zu

Karl: (klappt die Zeitung zusammen) Na, Ernst, was ist mit dir los? Hat dir der Trafikant einen Lottogewinn versprochen?

Ernst: (lächelt) Fast noch besser, Karl. Ich habe heut was gewonnen, was man mit Geld nicht kaufen kann.

Karl: Jetzt mach es nicht so spannend. Was ist los, raus mit der Sprache!

Ernst: Stell dir vor, ich war vorhin mit meiner Frau im Supermarkt. Und du weißt ja, wie das ist. Kaum drin, alles voller Leute die hin und her rennen und schon steigt mein Blutdruck. Und erst an der Kasse... die reinste Katastrophe. Eine Schlange bis zur Gemüseabteilung.

Karl: (nickt wissend) Oh mein Gott, ja das kenne ich. Da platzt einem gleich der Kragen.

Ernst: Genau! Mir pochte es schon an den Schläfen. Und dann sehe ich noch diese Tussi, Verzeihung Dame ganz vorne. Ein echter Wahnsinn, du glaubst es nicht. Gemächlich und natürlich mit dem Handy am Ohr, hat sie jedes Teil einzeln auf das Band gelegt, als ob es nur sie gibt und sonst niemand auf der Welt. Natürlich kramt sie dann auch nur mit einer Hand, wegen dem blöden Handy, nach ihrem Geld und ... holt dann jeden Schein und jeden Cent einzeln aus der Tasche .

Karl: Und du bist explodiert, davon geh ich aus?

Ernst: Ich war mehr als kurz davor und spürte schon, wie die Wut in mir hochkochte. Am liebsten hätte ich geschrien: "Mach weiter, du blöde Kuh!". Renate sah mich schon beängstigt an, sie kennt mich ja und weiß, wie ich mich über so etwas aufrege.

Karl: Klar, übliches Programm.

Ernst: Ja, aber dann passierte etwas wirklich Komisches. Mitten in dieser Aufregung fiel mir plötzlich das Buch ein, von dieser Feldman, „Wie Gefühle entstehen oder so“. Sie meint darin: Ein Gefühl überfällt dich nicht einfach. Dein Gehirn macht es! Und wenn es das macht, dann kann man es auch anders machen.

Karl: Wie soll das denn gehen, wenn man kurz vor dem Ausrasten ist? Klingt ja wie Hokuspokus.

Ernst: Dachte ich auch. Aber ich hab's probiert. Ich habe die Augen für einen Moment geschlossen und mich gefragt: " Woher kommt eigentlich dieser Druck und Stress?" Und plötzlich, du glaubst es nicht, sah ich es vor mir, wie in einem Film. Das hatte gar nichts mit der Frau an der Kasse zu tun. Wir sind uns sicher einig, dass sich das auch nicht gehört, ...aber plötzlich hörte ich die Stimme meiner Eltern. "Mach weiter, beeil dich, Ernst! Trödel nicht immer rum! Wir haben ja nicht ewig Zeit! schnell, geh weiter, schnell, schnell!" Da war auf einmal dieser ganze Stress, den mir meine Eltern als Kind eingetrichtert haben, und der kam da auf einmal hoch.

Karl: (runzelt die Stirn) Wegen dieser Frau an der Kasse, denkst du an deine Kindheit?

Ernst: Ja! Hab ich auch nicht gleich verstanden. Aber ich war dann so damit beschäftigt, dass ich auf diese Tussi da vorne gar nicht mehr geachtet habe. Und auf einmal wurde mir klar, dass mein Hirn, wie von selbst und aus der Situation heraus, das alte, mir bekannte Gefühl von "Stress, Druck und richtiger Wut" gebastelt hat. In dem Moment war ich echt paff und gleichzeitig, wie soll ich sagen, auch erleichtert. Ich sagte mir: "Das ist der Druck, den ich als Kind immer hatte, mir ist doch gleich wie lang das da vorne dauert. Hab ja Zeit und dabei kam mir sogar ein Lächeln über die Lippen.

Karl: Was redest du da. Das hat funktioniert? Wie das?

Ernst: (nickt und lächelt) Ja, irgendwie war's wie ein Wunder. Ich spürte, wie die Anspannung verschwand, die Wut war weg, einfach weg. Auf einmal war ich ruhig, so, wie ich's noch nie erlebt habe. Du hättest Renate sehen sollen, die hat mich angeschaut, als ob ich von einem anderen Planeten bin. „Geht’s dir gut“ hat sie mich gefragt und ich wusste gar nicht was ich ihr antworten sollte, war ja selbst noch überrascht. Im Auto hab ich ihr dann alles erzählt, so wie dir jetzt.

Karl: Mann oh Mann .... bin sprachlos, ausgerechnet Du, wo jeder weiß, wie schnell du auf 10 bist.

Ernst: Diese Frau, die Feldman Barrett, hat Recht. Wir sind unserer Wut oder unseren Gefühlen nicht ausgeliefert. Ich denke jeder kann das, wenn er es will. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich in so einer Situation eine Wahl, besser noch, die Ruhe hatte. Den Rest kenn ich ja, den Ärger, die Aufregung und was sonst noch dabei rauskommt. Und das alles nur wegen etwas, was mir völlig gleichgültig sein kann. Mal sehen, ob's ein anderes Mal auch klappt. Und jetzt komm, ich lad dich ein auf ein Bier.

Tipps für den Alltag

Eine weitere wirkungsvolle Form der Hilfe ist. Bewegung. Dabei sind die sogenannten bilateralen Bewegungen. Diese Bewegungen haben viel mit der Zusammenarbeit unserer beiden Gehirnhälften zu tun. Das Beste daran ist, dass du diese Technik jederzeit anwenden kannst. Hier ein paar Möglichkeiten für solche Mikro-Übungen

Der Schmetterlings-Griff (Butterfly Hug): Dies ist eine klassische und sehr wirksame Übung. Lege deine Arme über die Brust, sodass deine Hände auf den gegenüberliegenden Schultern oder Oberarmen liegen. Beginne dann, abwechselnd mit der linken und der rechten Hand sanft auf deine Schultern zu klopfen. Mache das für ein bis zwei Minuten in einem ruhigen, gleichmässigen Rhythmus.

Der unsichtbare Seufzer (Verlängerte Ausatmung).Atme ganz normal durch die Nase ein. Atme dann ganz langsam und unhörbar durch den leicht geöffneten Mund wieder aus, als würdest du durch einen Strohhalm pusten. Konzentriere dich darauf, die Ausatmung doppelt so lang wie die Einatmung zu machen (z.B. 3 Sekunden ein, 6 Sekunden aus). Die verlängerte Ausatmung ist der direkte Schalter zum „Ruhenerv“ (Vagusnerv - Parasympathikus) in unserem Körper. Sie signalisiert dem Gehirn „keine Gefahr“ und senkt den Herzschlag sowie den Stresspegel. Da es geräuschlos geschieht, bemerkt es niemand.

Sanfte Augenbewegungen: Dies ist das Kernelement von EMDR. EMDR ist keine Mode sondern eine der am besten erforschten und anerkannten Psychotherapiemethoden der letzten Jahrzehnte und heute weltweit in den offiziellen Behandlungsleitlinien anerkannt. Dies kannst du in einer leichten Form für dich nutzen: Halte den Kopf gerade und folge mit den Augen langsam deinem Finger, den du abwechselnd von ganz links nach ganz rechts bewegst. Mache dies einige Male. Es hilft, festgefahrene Gedanken zu lockern und das System zu beruhigen.

Hier geht's zu Teil 1 - "Die geheime Aktivität des Gehirns"

Hier geht's zu - Bucheinblicke - Feldman Barretts Buch "Wie Gefühle entstehen".

Eine Pausetaste für Gefühle

Häufige Fragen - "Ich kann fühlen, was ich will"
Was ist die Kernaussage des Buches?

Die Kernaussage ist, dass Gefühle nicht angeboren oder universell sind, sondern erst durch Erfahrungen entsten und dass sie von unserem Gehirn in jedem Moment, bezogen auf die jeweilige persönliche Erfahrung aktiv konstruiert werden. Dein Gehirn kombiniert dabei Signale aus deinem Körper, der Situation und den bisherigen Lebenserfahrungen.

Sind Gefühle unecht, wenn sie nur „gemacht“ sind?

Natürlich, sind sie echt, aber subjektiv, also nicht bei jedem gleich Die Tatsache, dass sie konstruiert werden, macht sie nicht weniger real oder wirkungsvoll. Es erklärt nur den Prozess, wie sie entstehen, und gibt dir damit mehr Einfluss darauf.

Was genau ist mit dem „Body Budget“ gemeint?

Body Budget ist eine bildhafte Metapher für die Energieressourcen des Körpers. Alles, was Energie gibt (Schlaf, Essen, Freude, Miteinander), zahlt ein. Alles, was Energie kostet (Stress, Anstrengung), hebt ab. Ein niedriges Budget führt zu einem unangenehmen Lebensgefühl, voll von Ängsten, Sorgen, Unsicherheit und ähnlichem.

Kann ich meine Gefühle also kontrollieren und entscheiden, glücklich zu sein?

Ganz so einfach ist das nicht, sicher nicht per Knopfdruck, aber man kann das Niveau für für die Gefühle beeinflussen und heben. Indem man auf sein Body Budget (Gefühls-Konto) achtet, bewusster mit bestimmten Situationen umgeht oder auch Selbst-Empathie fördert, wird man zum aktiven Gestalter des Gefühlslebens.

Welche Rolle spielt meine Kindheit und Erziehung dabei?

Eine wichtige Rolle. Denn gerade in der Kindheit lernen wir die emotionalen Regeln oder Konzepte unserer Familie. Die Art, wie deine Eltern über Gefühle gesprochen und sie vorgelebt haben, hat dein Gehirn darauf trainiert. Man könnte sich mal fragen: „wie war die „Gefühls-Bilanz“ in meiner Familie, sprich wie ist man mit Freude, Beziehung, Vertrauen, Miteinander, Ärger oder Streit umgegangen?

Bedeutet das, ich bin selbst schuld, wenn ich mich schlecht fühle?

Zuallererst, geht es nicht um Schuld, sondern um die Fragen „Wie fühle ich mich generell?“ und wenn nötig, „Was bräuchte ich, dass es mir besser geht?“ Beispiel Selbstkritik. Menschen die sich – wenn auch unbewusst – ständig selbst kritisieren, können sich damit schlecht wohl fülen. Die Theorie zeigt, dass du deinem Gehirn neue Wege beibringen kannst, um damit umzugehen. Es ist eine Befähigung, keine Anklage.

Warum ist diese neue Sichtweise wichtig?

Sie hat weitreichende Folgen – für unsere psychische und physische Gesundheit, und für unser alltägliches Miteinander. Sie fördert Empathie, weil wir verstehen, dass die Gefühle anderer Menschen genauso real und konstruiert sind wie unsere eigenen. Damti bekommt zum Beispiel auch „Rechhaben“ einen anderen Stellenwert.

Was ist der einfachste erste Schritt, um dieses Wissen anzuwenden?

Wer selbst ein positives, also „gut gefülltes Gefühls-konto“ hat, ist entspannt und kann es sich leisten freundlich zu sein und gelassenden Herausforderungen des Alltag begegnen. Selbstfreundlichkeit und Selbst-Empathie sind dazu ein Schlüssel. Wer mit sich selbst freundlich und verstännisvoll umgeht, kann das auch mit anderen.

„Es fühlt sich aber nicht so an, wenn ich wütend bin. Das Gefühl kommt blitzschnell und automatisch und fühlt sich nicht ‚konstruiert‘ an.“

„Das Gehirn ist blitzschnell, die Nervenimpulse erreichen eine Geschwindikeit, bis zu 400 km/h, also in Sekundenbruchteilen. Automatisch, weil es nach jahrzehntelanger Übung schon automatisch und unbewusst reagiert. Denk ans Lesen: Als Kind musstest du Buchstaben mühsam zusammensetzen. Heute siehst du ein Wort und erfasst seine Bedeutung sofort. Dein Gehirn macht mit Emotionen genau dasselbe – es ist ein hochtrainierter, automatisierter Prozess.“

„Das klingt danach, als wären Gefühle ‚nur Einbildung‘ und nicht real. Das wertet meine Erfahrungen ab.“

„Im Gegenteil. Die Theorie besagt nicht, dass Gefühle nicht real sind – sie sind zu 100 % real. Sie erklärt nur, wie diese reale Erfahrung in deinem Gehirn und Körper entsteht. Es ist keine ‚Einbildung‘, sondern ein biologischer Prozess. Zu verstehen, wie ein Kuchen gebacken wird, macht den Kuchen ja auch nicht weniger echt oder real, sonder es gibt dir nur das Rezept, um ihn zu backen.“

„Was ist mit Babys? Sie können noch keine Konzepte gelernt haben, zeigen aber trotzdem Freude oder Angst.“

Antwort: „Hier unterscheidet die Wissenschaft zwischen ‚Affekt‘ und ‚Emotion‘. Babys erleben definitiv Affekte – also körperliche Zustände von Wohlbehagen, Unbehagen, Erregung oder Ruhe. Aber sie haben noch nicht das komplexe, gelernte Konzept von ‚Enttäuschung‘, ‚Stolz‘ oder ‚Dankbarkeit‘. Das lernen sie erst durch ihre Bezugspersonen.

„Das ist viel zu kompliziert. Das alte Modell von Auslöser und Reaktion ist einfacher und funktioniert eben so.“

„Die Theorie der konstruierten Emotionen ist zwar detaillierter, aber sie ist unendlich viel nützlicher. Sie erklärt diese Unterschiede, warum zwei Menschen unterschiedlich reagieren und gibt uns konkrete Werkzeuge an die Hand, um unser Wohlbefinden aktiv zu verbessern, anstatt uns als Opfer unserer angeblich fest verdrahteten Gefühle zu sehen.“

häufige Fragen und Antworten

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