Nicht zu glauben - was ein alter und vertrauter Ton in uns bewirkt - Summen

GUTE GEFÜHLE

8/20/2026

Ein Ton, den wir schon als Kind nützten – und der auch heute noch das Herz beruhigt

Erinnern Sie sich noch, wie beruhigend es war, wenn Ihre Mutter oder Großmutter leise vor sich hin summte? Oder vielleicht auch wenn Sie summten, weil Sie sich unwohl oder unsicher fühlten. Genau dieses unscheinbare Geräusch, das viele von uns schon seit Lebzeiten kennen, entpuppt sich, nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, als eine der natürlichsten Methoden gegen Stress, Bluthochdruck und Schlafprobleme.

Hören statt Lesen - Die Kraft eines Uralten Klangs - Summen

Summen – eine Gesundheitsfürsorge im Alter?

Summen erhöht die Stickstoffmonoxid-Produktion in den Nebenhöhlen um das 15-Fache, beruhigt über den Vagusnerv das Nervensystem und senkt nachweislich Blutdruck sowie Stresslevel – ganz ohne Hilfsmittel oder körperliche Anstrengung. Gerade für Menschen im Alter, die oft nach sanften, alltagstauglichen Wegen suchen, ihre Gesundheit zu stärken, ist das eine erfreuliche, wie ebenso hilfreiche Nachricht. Es braucht keine Turnschuhe, keine Termine, keine App oder sonstige Ausrüstungen – nur ein paar Minuten Zeit und Ihre eigene Stimme. Was diese einfache Atemübung mit Bluthochdruck, dem Nervensystem und sogar dem Gedächtnis zu tun hat, lesen Sie in diesem Artikel. Und wundern Sie sich nicht, denn was Sie hier erfahren ist konkrete Wissenschaft.

Warum die Wissenschaft das jetzt entdeckt?

Dass diese Effekte erst in den letzten Jahrzehnten im Labor nachgewiesen wurden, liegt schlicht an den neuen Technologien. Erst durch bildgebende Verfahren (MRT), Echtzeit-analysen (für das Stickstoffmonoxid) und präzise HRV-Messgeräte ist es möglich geworden, die winzigen Schwingungen und chemischen Veränderungen im Körper exakt zu messen. Die Wissenschaft "erfindet" das Summen in diesem Sinne nicht neu, sondern liefert nun erst die biologische Erklärung für das, was Menschen seit Jahrtausenden intuitiv erkannten und richtig machen.

Wie Summen die Atemwege reinigt

Stellen Sie sich Ihre Nasennebenhöhlen einmal wie kleine, stille Kammern vor, in denen sich mit der Zeit Luft und Keime ansammeln können – ähnlich wie in einem Raum, der selten gelüftet wird. Genau hier setzt der erste große Effekt des Summens an. Eine berühmte schwedische Studie der Forscher Weitzberg und Lundberg zeigte, dass einfaches Summen die Konzentration von Stickstoffmonoxid in den Atemwegen um das 15-Fache steigert – verglichen mit stillem Ausatmen.

Dieses Gas wirkt wie ein unsichtbarer Reinigungstrupp: Es erweitert die Blutgefäße, verbessert die Sauerstoffaufnahme in der Lunge und wirkt nachweislich antibakteriell sowie antiviral. Die oszillierende Luftbewegung beim Summen funktioniert dabei wie ein kleiner Ventilator, der das Gas aus den Nebenhöhlen sanft in die Atemwege spült. Für ältere Menschen, deren Selbstreinigungskraft der Atemwege oft nachlässt, ist das ein echter Gewinn – Schleim löst sich leichter, die Nebenhöhlen bleiben freier, und das Immunsystem wird spürbar entlastet.

Ein Ventilator für die eigene Nase

Man kann es sich vorstellen wie das Öffnen eines Fensters an einem stickigen Tag: Die Luft beginnt zu zirkulieren, alles wird frischer. Genau das passiert beim Summen in Miniaturform – mehrmals täglich, ganz ohne Aufwand.

Summen - und der Vagusnerv als beruhigende Bremse

Der Vagusnerv ist so etwas wie der Hauptschalter Ihres inneren Ruhesystems. Er verläuft direkt am Kehlkopf und den Stimmbändern vorbei – genau dort, wo beim Summen die Vibration entsteht. Diese sanfte, mechanische Erschütterung sendet ein klares Signal an Ihr Gehirn: Alles ist sicher, du darfst loslassen. Julie Henderson hat mit Ihrer Methode "Zapchen" hier einen enormen Beitrag, sowohl auf wissenschaftlicher, wie auch auf praktischer Ebene vorgelegt. (hier)

Die Folge ist bemerkenswert: Die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol wird gedrosselt, während beruhigende Botenstoffe freigesetzt werden. Man kann sich den Vagusnerv wie eine Bremse im Auto vorstellen – solange sie funktioniert, kommt das Fahrzeug auch bei hoher Geschwindigkeit sicher zum Stehen. Summen betätigt diese Bremse ganz automatisch, ohne dass Sie bewusst „entspannen" müssen. Gerade für Menschen, die im Alter häufiger unter innerer Unruhe oder Grübeln leiden, ist das eine enorm wertvolle, körpereigene Ressource.

Wenn der Körper eine Notbremse braucht

Bildgebende Verfahren im Gehirn zeigen zudem, dass anhaltendes Summen die emotionalen Alarmzentren – allen voran die Amygdala – herunterreguliert. Die Gedanken kommen zur Ruhe, Kiefer, Nacken und Gesicht entspannen sich spürbar.

Deshalb summen Kinder, wenn sie ängstlich sind

Auch Kinder summen doch "automatisch", wenn sie sich unwohl oder ängstlich fühlen, scheint intuitiv zu sein oder?

Der körpereigene "Beruhigungseffekt" (Biologie)

Wenn ein Kind Angst hat, schaltet sein Nervensystem in den Fight-or-Flight-Modus (Angriff oder Flucht). Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird flach. Fängt das Kind nun automatisch an zu summen, stimuliert es instinktiv den Vagusnerv, unwillkürlich sinkt der Herzschlag und es beruhigt sich.

Akustisches Schutzschild (Sensorik)

Wenn Kinder überfordert, gestresst oder von einer lauten Umgebung verängstigt sind, nutzen sie das Summen als sensorischen Filter. Der monotone, im eigenen Kopf vibrierende Ton übertönt unvorhersehbare, beängstigende Außengeräusche.

Rückgriff auf die Ur-Sicherheit (Psychologie)

Das Summen erzeugt Frequenzen, die der Herzschlag und die Stimme der Mutter im Mutterleib hatten. Für das kindliche Gehirn ist dieser vibrierende Brummton tief mit dem Gefühl von absoluter Geborgenheit und Sicherheit verknüpft. In Momenten der Angst kopiert das Kind dieses Geräusch intuitiv selbst, um sich diese Sicherheit zurückzuholen.

Was das Herz über Summen erzählen kann

Wie gut sich unser Nervensystem an Stress anpassen kann, lässt sich an der sogenannten Herzratenvariabilität ablesen – vereinfacht gesagt: je flexibler der Herzschlag auf wechselnde Anforderungen reagiert, desto gesünder und entspannter ist das System dahinter. Eine klinische Holter-EKG-Studie von Trivedi und Kollegen aus dem Jahr 2023 verglich die Herzwerte während des Summens mit denen bei körperlicher Aktivität, emotionalem Stress und Schlaf.

Das Ergebnis überraschte selbst die Forschenden: Summen erzeugte den niedrigsten Stress-Index aller untersuchten Zustände – niedriger sogar als im Schlaf. Der Grund liegt auch in der Atmung selbst: Wer summt, atmet automatisch sehr lang und gleichmäßig aus. Dieses verlangsamte Ausatmen entspricht exakt jenen „Slow-Paced Breathing"-Techniken, die in der klinischen Praxis gezielt zur Angstlinderung eingesetzt werden.

Der Herzschlag als Spiegel der inneren Ruhe

Stellen Sie sich Ihr Herz wie einen Seismografen vor, der jede innere Bewegung registriert. Summen sorgt dafür, dass die Nadel dieses Seismografen ruhiger ausschlägt – Minute für Minute, Atemzug für Atemzug.

Wenn sich uralte Weisheit und moderne Wissenschaft treffen

Was heute in Laboren mit EKG-Geräten und Blutgasmessungen bestätigt wird, wussten Yogis vor Jahrtausenden bereits intuitiv. Im Yoga existiert die Atemübung Bhramari Pranayama – wörtlich übersetzt „das Summen der Biene". Genau diese Übung wird heute standardisiert in klinischen Studien genutzt, um Bluthochdruck, chronischen Stress und sogar wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen zu behandeln.

Es ist faszinierrend, wie präzise sich diese alte Praxis und moderne Messdaten hier decken. Das, was sich über Jahrtausende als wohltuend bewährt hat, lässt sich heute Schritt für Schritt wissenschaftlich erklären – ein schönes Beispiel dafür, dass Körperwissen und Laborwissen keine Gegensätze sein müssen.

Besondere Vorteile des Summens für Menschen ab 55

Gerade im reiferen Lebensalter entfaltet das Summen Wirkungen, die weit über pure Entspannung hinausgehen.

Sanfte Blutdruckregulation:

Mit den Jahren neigen Blutgefäße dazu, steifer zu werden, was den Blutdruck erhöht. Das beim Summen freigesetzte Stickstoffmonoxid erweitert die Gefäße auf natürliche Weise. Klinische Studien zeigen, dass regelmäßiges Summen sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck bei älteren Menschen signifikant senken kann.

Linderung von altersbedingten Schmerzen:

Viele Menschen ab 55 leben mit chronischen Beschwerden des Bewegungsapparats, etwa durch Arthrose. Eine Untersuchung von Damor und Kollegen aus dem Jahr 2025 zeigte, dass eine vierwöchige Summ-Praxis das Stresslevel bei Senior:innen deutlich reduzierte – die Vibrationen und die Ausschüttung von Endorphinen wirken dabei wie eine sanfte, innere Schmerztherapie.

Klarerer Kopf und besseres Gedächtnis:

Die verbesserte Durchblutung durch Stickstoffmonoxid versorgt auch das Gehirn großzügiger mit Sauerstoff und Glukose. Erste Studien deuten darauf hin, dass tägliches, fokussiertes Summen Stimmung, Gedächtnis und mentalen Fokus stärken kann.

Freiere Atemwege:

Die Vibration löst festsitzenden Schleim in Bronchien und Nebenhöhlen, während das freigesetzte Stickstoffmonoxid Viren und Bakterien in Schach hält.

Mehr Standfestigkeit im Alltag:

Die Vibration überträgt sich über die Schädelknochen bis ins Innenohr, wo das Gleichgewichtsorgan sitzt. Diese feine Stimulation kann helfen, die Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum zu stabilisieren – ein kleiner, aber wertvoller Baustein für mehr Sicherheit beim Gehen.

Kleine Übung, große Wirkung - der Einstieg

Man muss sich das nicht kompliziert vorstellen: Ein paar Minuten Summen am Tag wirken wie ein leises, aber beständiges Training für Herz, Nerven und Gleichgewicht – nebenbei, im Sitzen, ganz ohne Schweißperlen.

Die gute Nachricht: Sie brauchen weder Vorerfahrung noch besondere Fitness. Schließen Sie die Augen, atmen Sie tief durch die Nase ein und lassen Sie beim Ausatmen ein weiches „Mmmmm" entstehen – so lange und gleichmäßig, wie es angenehm ist. Wiederholen Sie das fünf bis zehn Mal, idealerweise ein- bis zweimal täglich. Sie werden spüren, wie sich Kiefer, Schultern und Atmung lösen.

Einer der größten Vorteile dieser liegt in der Einfachheit:

Sie ist kostenlos, sicher, erfordert keinerlei sportliche Fitness und lässt sich im Sitzen oder Liegen ausprobieren – egal ob am Küchentisch, im Garten oder abends vor dem Einschlafen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und Forschende

  • 15-fache Steigerung von Stickstoffmonoxid durch Summen – Weitzberg & Lundberg

  • Niedrigster Stress-Index aller untersuchten Aktivitäten (Holter-EKG-Studie, 2023) – Trivedi et al.

  • Signifikante Stressreduktion bei Senior:innen durch 4-wöchige Summ-Praxis (2025) – Damor et al.

  • Wirksamkeit von langsamem, taktgebundenem Atmen zur Angstlinderung – Studie veröffentlicht in ScienceDirect

Die Erkenntnisse im Detail

Wissenschaftlich ausreichend belegt

Die 15-fache Stickstoffmonoxid-Steigerung (Weitzberg & Lundberg)

Stickstoffmonoxid ist ein Gas, das Ihr Körper ständig selbst herstellt – es ist quasi der Botenstoff, der Ihren Blutgefäßen sagt: „Entspannt euch, werdet weiter." Wenn Summen diese Konzentration um das 15-Fache erhöht, bedeutet das ganz praktisch: Ihre Blutgefäße weiten sich stärker, das Blut fließt leichter, und mehr Sauerstoff gelangt in Lunge und Gewebe. Das ist der gleiche Mechanismus, auf den auch bestimmte Blutdruckmedikamente abzielen – nur eben komplett natürlich und ohne Nebenwirkungen. Zusätzlich wirkt das Gas wie ein Desinfektionsmittel für die Atemwege: Es hemmt Viren und Bakterien direkt an Ort und Stelle, bevor sie sich festsetzen können. Für Menschen, die anfällig für Nebenhöhlenentzündungen oder häufige Erkältungen sind, ist das ein doppelter Gewinn – bessere Durchblutung und ein stärkerer Infektionsschutz gleichzeitig. Man kann es sich vorstellen wie ein Fenster, das plötzlich weit aufgeht, nachdem es lange nur gekippt war: Frische Luft und bessere Zirkulation überall dort, wo es vorher eng war.

Stickstoffmonoxid-Steigerung durch Summen - Wissenschaftler: Eddie Weitzberg und Jon O. N. Lundberg (Karolinska Institutet, Schweden) - Studie: „Humming greatly increases nasal nitric oxide", veröffentlicht 2002 im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine.

Der niedrigste Stress-Index aller Aktivitäten (Trivedi et al., 2023)

Dass Summen im direkten Vergleich mit Sport, emotionalem Stress und sogar Schlaf am besten abschnitt, ist deshalb so bemerkenswert, weil Schlaf normalerweise als die tiefste Erholungsphase des Körpers gilt. Summen schlug diesen Wert noch – ein klares Zeichen dafür, wie stark und unmittelbar diese einfache Übung das Nervensystem beruhigt. Das bedeutet für Sie im Alltag: Sie müssen nicht meditieren lernen oder stundenlang üben, um den Zustand von Entspannung zu erreichen. Wenige Minuten reichen bereits aus, damit Herzfrequenz und innere Anspannung spürbar sinken. Besonders wertvoll ist das für Menschen, die unter nächtlicher Unruhe, Grübelgedanken oder generell erhöhter Anspannung leiden – hier wirkt Summen wie ein sanfter Reset-Knopf für das überaktivierte Nervensystem. Es ist, als würde man dem Körper eine klare Botschaft senden: Die Gefahr ist vorüber, du darfst jetzt loslassen.

Wissenschaftler: Gunjan Y. Trivedi und Kollegen . Studie: „Humming (Simple Bhramari Pranayama) as a Stress Buster: A Holter-Based Study to Analyze Heart Rate Variability (HRV) Parameters During Bhramari, Physical Activity, Emotional Stress, and Sleep", veröffentlicht 2023 in Cureus.

in Forschungsstadien

Stressreduktion bei Senior:innen (Damor et al., 2025)

Diese Studie ist besonders interessant, weil sie nicht nur einen Entspannungseffekt zeigt, sondern eine Veränderung über einen längeren Zeitraum. Vier Wochen regelmäßiges Summen reichten aus, um das Stresslevel bei älteren Teilnehmenden deutlich zu senken. Es zeigte sich: Summen wirkt nicht nur im Moment beruhigend, sondern kann sich bei regelmäßiger Anwendung tief im Nervensystem verankern. Gleichzeitig wurden bei den Teilnehmenden vermehrt Endorphine ausgeschüttet, jene Botenstoffe, die eine schmerzlindernde Wirkung haben. Für Menschen mit Beschwerden des Bewegungsapparats – etwa durch Arthrose oder Verspannungen – kann das eine spürbare Erleichterung im Alltag bedeuten.

Angstlinderung oder Slow-Paced Breathing

„Slow-Paced Breathing" bezeichnet Atemtechniken, bei denen bewusst langsam und gleichmäßig geatmet wird – ein Ansatz, der in der Verhaltensmedizin seit Jahren gezielt gegen Angst und Panikzustände eingesetzt wird. Das Besondere am Summen: Diese verlangsamte, lange Ausatmung passiert dabei völlig automatisch, ohne dass Sie sich bewusst auf Ihre Atemtechnik konzentrieren müssen. Eine lange, ruhige Ausatmung ist eines der stärksten Signale, das Sie Ihrem Nervensystem senden können, um von Anspannung in Entspannung umzuschalten. Das liegt daran, dass beim Ausatmen der beruhigende Teil des Nervensystems (der Parasympathikus) aktiver wird, während beim Einatmen eher der aktivierende Teil überwiegt. Wer viel ausatmet und wenig hektisch einatmet, verlagert also das innere Gleichgewicht in Richtung Ruhe. Für Menschen, die unter Ängsten, innerer Unruhe oder Anspannung leiden, ist das ein enormer Vorteil: Man muss keine komplizierte Atemtechnik lernen – Summen liefert sie ganz von selbst mit.

Referenzen - Wissenschaftler:innen im Artikel

für mehr Informationen klicken Sie auf den Namen - weitere Wissenschaftler:innen im "who is who"

  • Julie Henderson: war eine amerikanische Psychologin, Körpertherapeutin, Autorin und die Begründerin der Zapchen Somatics.

  • Weitzberg/Lundberg: Die schwedischen Professoren Eddie Weitzberg und Jon Lundberg forschen am Karolinska-Institut in Stockholm primär auf dem Gebiet der Pharmakologie,

Nach der Kur - ein überraschender Dialog über Summen

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