Praksis im Alltag - Entspannung finden

BEWEGLICHKEIT -PRAXIS

7/17/2026

Eine Revolution, die vor 100 Jahren begann

Was wäre, wenn innere Ruhe nicht durch Willenskraft entsteht, sondern durch etwas so Einfaches wie eine Faust, die sich öffnet? Genau diese Frage stellte sich ein amerikanischer Arzt fast vor einem Jahrhundert – und seine Antwort ist im heutigen Schnelltempo aktueller denn je. Wer nach einer Entspannung der Muskeln für Senioren sucht, landet fast zwangsläufig bei seiner Methode, die so simpel wie wirkungsvoll ist und sich ganz ohne irgendwelchen Vorkenntnisse erlernen lässt.

So geht's: Ein sanfter Einstieg in die Entspannung

Nehmen Sie sich 10 bis 15 Minuten ungestörte Zeit. Setzen Sie sich bequem hin oder legen Sie sich hin, schließen Sie die Augen und atmen Sie einige Male tief durch die Nase ein und durch den Mund aus. Bei jeder Übung gilt dieselbe einfache Regel: Muskelgruppe für 5 bis 7 Sekunden spürbar, aber nicht schmerzhaft anspannen, dann schlagartig loslassen und für etwa 20 bis 30 Sekunden dem Gefühl der Entspannung nachspüren.

Sorgenfalten glätten

Das Gesicht ist ein sichtbarer Spiegel unserer Emotionen aber uch für unsere unbewussten Verspannungen.

Stirn & Augen:

  • Runzeln Sie die Stirn und ziehen Sie die Augenbrauen fest zusammen, als würden Sie sehr skeptisch schauen.

  • Halten Sie die Spannung.

  • Lassen Sie los und spüren Sie, wie sich Ihre Stirn glättet und der Bereich um die Augen weich wird.

Augen & Nase:

  • Kneifen Sie die Augen fest zusammen und rümpfen Sie gleichzeitig die Nase.

  • Halten Sie die Spannung.

  • Lassen Sie los und genießen Sie das Gefühl der Weite im Gesicht.

Kiefer & Mund:

  • Beißen Sie die Zähne fest zusammen und pressen Sie die Lippen aufeinander.

  • Halten Sie die Spannung im Kieferbereich.

  • Lassen Sie den Kiefer locker, sodass sich die Zahnreihen voneinander lösen und der Mund leicht geöffnet sein kann. Spüren Sie, wie die Anspannung aus den Wangen weicht.

Warum das wirkt? Sorgen, Konzentration und unterdrückter Ärger manifestieren sich direkt in unserer Gesichtsmuskulatur. Indem Sie diese Muskeln bewusst entspannen, senden Sie ein direktes Entwarnungssignal an die emotionalen Zentren im Gehirn (wie die Amygdala). Sie durchbrechen den Kreislauf, wo ein besorgter Gedanke zur Anspannung führt und diese wiederum das Gefühl der Sorge verstärkt. Auch das Lockern des Kiefers kann ein Gefühl der Erleichterung auslösen.

Alltagslast abwerfen

Lockere Schultern:

  • Ziehen Sie beide Schultern hoch in Richtung Ihrer Ohrläppchen, als wollten Sie sich vor Kälte schützen.

  • Spüren Sie die intensive Anspannung im Nacken und in den oberen Schultern.

  • Halten Sie diese Position für 5-7 Sekunden.

  • Lassen Sie die Schultern mit einem Seufzer einfach fallen.

  • Spüren Sie das Gefühl von Weite und Entlastung. Nehmen Sie wahr, wie der Abstand zwischen Ohren und Schultern größer wird.

Warum das wirkt? Die „Last des Alltags“ tragen wir sprichwörtlich auf unseren Schultern. Bei Stress ziehen wir die Schultern hoch – ein Überbleibsel des urzeitlichen Schutzreflexes, den Hals zu schützen. Das Fallenlassen der Schultern ist ein starkes körperliches Symbol für das „Abwerfen“ von Last. Es signalisiert dem Gehirn Sicherheit und Selbstvertrauen und die verbesserte Durchblutung kann zudem Spannungskopfschmerzen lindern.

Handlungsfähig bleiben

Greifen und Loslassen

  • Konzentrieren Sie sich auf Ihre rechte Hand.

  • Ballen Sie die rechte Hand zu einer festen Faust. Spüren Sie die Spannung in der Hand und im Unterarm.

  • Halten Sie diese Spannung für 5-7 Sekunden.

  • Lassen Sie die Faust schlagartig los. Die Finger werden locker und entspannt.

  • Nehmen Sie nun für 20-30 Sekunden wahr, wie sich die Entspannung anfühlt. Vielleicht spüren Sie ein Kribbeln, eine Wärme oder eine angenehme Schwere.

  • Wiederholen Sie den gesamten Vorgang mit der linken Hand.

Warum wirkt das? Unsere Hände sind ständig im Einsatz und speichern oft unbewusst Anspannung (z.B. beim Tippen, Greifen des Lenkrads). Das abrupte Loslassen sendet ein klares Signal an Ihr Nervensystem: „Aktion beendet, Erholung beginnt.“ Die nachfolgende Wärme entsteht durch die verbesserte Durchblutung der entspannten Muskulatur. Sie lernen, aktiv vom „Tun“-Modus in den „Sein“-Modus zu schalten.

Standfest sein

Oberschenkel:

  • Strecken Sie Ihr rechtes Bein gerade nach vorne aus (nicht zu hoch) und spannen Sie den Oberschenkelmuskel kräftig an.

  • Halten Sie die Spannung.

  • Lassen Sie das Bein wieder locker in die Ausgangsposition sinken. Spüren Sie die Schwere und Wärme im Oberschenkel.

  • Wiederholen Sie dies mit dem linken Bein.

Füße & Waden:

  • Ziehen Sie die Zehen Ihres rechten Fußes in Richtung des Schienbeins, als wollten Sie sie zum Knie ziehen. Spüren Sie die Dehnung in der Wade.

  • Halten Sie kurz an, lassen Sie dann los und krallen Sie die Zehen desselben Fußes zusammen, als wollten Sie etwas aufheben.

  • Halten Sie die Spannung im Fußgewölbe.

  • Lassen Sie vollständig los und spüren Sie, wie der Fuß warm und entspannt auf dem Boden ruht.

  • Wiederholen Sie alles mit dem linken Fuß.

Warum wirkt das? Die Beinmuskulatur ist Teil unserer „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion (Bereitschaft zum Weglaufen). Diese Übung hilft, diese tiefsitzende Anspannung loszulassen. Die Konzentration auf die Füße hat zudem einen stark erdenden Effekt. Sie verbindet uns mit dem Boden, schafft ein Gefühl von Stabilität und Sicherheit und zieht die Energie aus dem Kopf, der oft von zu vielen Gedanken überflutet ist, hinunter in den Körper.

Zum Schluss - die Entspannung genießen

Nachdem Sie die einzelnen Muskelgruppen durchgegangen sind, bleiben Sie noch für einige Minuten ruhig sitzen oder liegen. Spüren Sie in Ihren gesamten Körper hinein. Nehmen Sie das Gefühl der wohligen Schwere, Wärme und tiefen Ruhe wahr, das sich nun ausgebreitet hat. Kehren Sie dann langsam mit Ihrer Aufmerksamkeit in den Raum zurück, bewegen Sie sanft Ihre Finger und Zehen, recken und strecken Sie sich, und öffnen Sie wieder die Augen.

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