Praxis im Alltag - Wie Sie mit der "Gehirn-Wippe Sorgen stoppen
MENTALE GESUNDHEIT – PRAXIS
Die Wippe im Kopf bedienen. Das Schöne an dieser Entdeckung ist, dass es nichts ist, was man erst lernen muss. Was es dazu braucht, ist eine Entscheidung. Die Wippe kippt von selbst. Sobald die Aufmerksamkeit bei einer Sache landet, bei der man sich wohl fühlt, hat das Grübeln keinen Platz mehr. Es geht also nicht darum, gegen Gedanken zu kämpfen, sondern darum, dem Kopf etwas anderes, etwas Besseres anzubieten.


Die "Gedanken-Wippe" im Alltag andwenden: Praktische Beispiele
Die Hände-Regel: Tun statt denken
Bei Tätigkeiten mit den Händen springt das Aktiv-Netzwerk besonders zuverlässig an, weil der Kopf ständig kleine Rückmeldungen bekommt: greifen, spüren, ausrichten. Der Trick liegt im Zeitpunkt: nicht warten, bis das Gedankenkarussell auf Touren ist, sondern beim ersten Anzeichen aufstehen. Zwei Minuten Tun schlagen zwanzig Minuten „Kopfzerbrechen“. Sobald Sie merken, dass Sie im Sessel sitzen und die Gedanken losgehen: stehen Sie auf und nehmen Sie etwas in die Hände. Geschirr abtrocknen, Blumen gießen, Tisch abwischen usw.
Fünf Dinge, die es wirklich gibt
Die kleinste Übung überhaupt, und überall möglich – im Wartezimmer, im Bus oder sonst wo. Suchen Sie in Ihrer Umgebung fünf Dinge einer bestimmten Farbe. Oder drei Geräusche, die Sie gerade hören. Oder alles im Raum, das rund ist. Das klingt zwar banal, ist aber genau der Wippen-Effekt in Reinform: Sie geben dem Gehirn eine konkrete Aufgabe, und die Sorgen werden leiser gedreht, ohne dass Sie sich mit ihnen auseinandersetzen mussten.
Die Grübel-Verabredung
Wenn immer wieder eine Sorge kommt, machen Sie mir ihr einen Termin: "Darüber denke ich heute um 17 Uhr nach, fünfzehn Minuten lang, am Küchentisch mit Papier und Stift." Bis dahin darf die Sorge warten. Das Erstaunliche ist, dass viele Sorgen den Termin nicht überleben. Und wenn doch, ist das aufgeschriebene Nachdenken etwas völlig anderes als der Gedankenkreisel im Sessel – Schreiben ist eine Tätigkeit und - wie Sie wissen - Tätigkeiten schalten um.
Genuss ist keine Nebensache, sondern ein echtes Werkzeug
Der Artikel nennt bewussten Genuss ausdrücklich als Schalter – und das ist eine schöne Nachricht, denn hier ist die Medizin angenehm. Wählen Sie eine alltägliche Sache und machen Sie sie zur Hauptsache: den Kaffee am Morgen wirklich schmecken, ohne Zeitung und ohne Radio. Ein Stück Schokolade auf der Zunge zergehen lassen. Die warme Sonne im Gesicht. Echter Genuss verlangt Aufmerksamkeit – und genau deshalb funktioniert er. Was viele als Luxus abtun, ist tatsächlich eine wirksame Möglichkeiten, das Sorgen-Netzwerk in die Pause zu schicken. Eine Sache am Tag ganz bewusst genießen. (Erfahren Sie mehr darüber)
Etwas mit den Sinnen und nicht mit dem Kopf
Gärtnern, Kochen, Backen, Werkeln, Handarbeit, ein Instrument, Singen im Chor. Diese Dinge haben eines gemeinsam: Sie erfordern Hände, Augen, Ohren und laufende kleine Entscheidungen. Wer Karotten schneidet, grübelt selten. Wenn Sie nur eine einzige Sache aus dieser Liste umsetzen: nehmen Sie die, auf die Sie sich am meisten freuen – nicht die, die am vernünftigsten klingt. Freude ist hier kein Bonus, sondern der Motor.
Selbstkritik unterbrechen, nicht mitmachen
Gegen einen selbstkritischen Gedanken zu argumentieren, hält ihn im Gespräch – Sie beschäftigen sich weiter mit sich selbst, und genau das ist das Grübel-Netzwerk. Wirksamer ist der Wechsel: den Gedanken kurz benennen ("Aha, das ist wieder die alte Leier") und dann etwas Konkretes tun. Ein Satz, der vielen hilft: "Ich muss das nicht jetzt klären, ich muss es nur wechseln." (mehr darüber erfahren Sie hier)
Freundlich mit sich sprechen wie mit einem Kind
Selbstempathie klingt nach einem modernen Wort, ist aber etwas sehr Einfaches. Stellen Sie sich vor, ein Kind oder ein guter Freund hätte den Fehler gemacht. Was würden Sie sagen? Ein freundlicher Ton ist eine Gewohnheit wie jede andere, und Gewohnheiten entstehen durch Wiederholung, nicht durch Einsicht.
Selbstsicherheit durch abgeschlossene Kleinigkeiten
Selbstsicherheit kommt nicht aus Zureden, sondern aus Erfahrung. Und Erfahrung entsteht aus fertig gemachten Dingen, auch winzigen: den Anruf erledigt, den man vor sich hergeschoben hat, einen Spaziergang oder etwas Bewegung gemacht. Der Kopf merkt sich, was wir ihm zeigen – nicht was offen blieb.
Immer wieder mal etwas Neues
Neues hat einen eingebauten Vorteil: Es muss die Aufmerksamkeit binden, weil noch keine Routine da ist. Ein anderer Weg beim Spazieren. Ein Gericht, das Sie anders oder ein Rezept, das Sie noch nie gekocht haben. Es braucht nicht groß zu sein. Es braucht nur neu zu sein.
Rätsel oder Spiel als Wippe nützen
Rätsel, Spiele oder Puzzles sind so wirksam, weil sie eine klare Aufgabe mit klarem Ende haben. Und wenn dabei die Sorge um die eigene Vergesslichkeit mitschwingt: Bei einem Rätsel oder noch besser, bei einem Spiel ist der Kopf mit der Sache und Aufgabe beschäftigt, nicht mit der Angst. Genau das fördert die Wippe. (mehr darüber erfahren Sie hier)
Fazit zur "Stimmungs-Wippe"
Jede Veränderung wird zuerst durch Erkenntnis, dann den Versuch und schließlich die Wiederholung wirksam. Bei den Gedanken, den Gefühlen oder bei der Wippe ist es dasselbe. Beim ersten Mal fühlt es sich vielleicht an wie ein Trick, der scheinbar nicht viel bringt. Nach zwei Wochen greift es von selbst, wenn das Grübeln losgeht. Und falls das Grübeln immer noch zu häufig und stark ist, ist es kein Versagen, sondern vielleicht ein guter Grund, wirklich einmal mit jemand z.B. der Hausärztin darüber zu sprechen.


