„Lass dir nicht nehmen, was du immer noch hast“ - Lucy Hones Buch über Trauer

WISSEN & BÜCHERGUTE GEFÜHLE

Es gibt kein Leben ohne Probleme oder Tiefen, und gerade im Alter hat fast jeder schon Schweres erlebt. Die Psychologin Lucy Hone weiß aus eigenem Leben und aus ihrer Forschung, was Resilienz bedeutet und wie sie nach einem schweren Verlust in der Trauer hilft, und hat darüber ein Buch geschrieben.

Bucheinblicke - Lucy Hones Buch "Resilient grieving" über Trauer

Wer lange genug lebt, hat nicht nur Höhen erlebt, sondern mit Sicherheit auch Tiefen: einen Abschied, eine Diagnose, eine Kündigung, gewisse Ereignisse, vielleicht sogar Jahre, die man lieber vergessen würde. Wir stellen dieses Buch vor, weil es von jemandem kommt, der es doppelt weiß: aus dem eigenen Leben und der Forschung. Wir möchten damit auch Wissen und Bücher für Sie zugänglich machen, die in deutscher Sprache noch nicht vorliegen.

Wer ist Lucy Hone?

Lucy Hone ist Psychologin aus Christchurch in Neuseeland. Sie hat angewandte Positive Psychologie an der University of Pennsylvania studiert, unter anderem bei Martin Seligman, und leitet das New Zealand Institute of Wellbeing & Resilience. Als in ihrer Heimatstadt die Erdbeben die Menschen erschütterten, half sie mit ihrem Wissen darüber, wie man Krisen übersteht, und hielt es damals auch für ihre Lebensaufgabe.

Ihre eigene Geschichte im Buch

Aber dann traf es sie selbst. 2014 starb ihre zwölfjährige Tochter Abi bei einem Unfall, gemeinsam mit ihrer besten Freundin und deren Mutter, einer engen Freundin von Hone. Aus einer Expertin wurde über Nacht eine Betroffene und trauernde Mutter.

Was sie danach erlebte, beschreibt sie darin ohne Bitterkeit. Viele reichten ihr Faltblätter über die Phasen der Trauer, manche rieten ihr sogar, kommende Lebensjahre abzuschreiben. Sie wusste, vieles davon war gut gemeint, aber es machte sie selbst und ihre Familie klein und machtlos. Sie wollte nicht wissen, was sie fühlen würde oder zu fühlen hatte. Sie wollte wissen, was sie tun kann, um ihr eigenes Unglück zu meistern. Also machte sie mit all ihrem Wissen und ihren Werkzeugen einen Selbstversuch, ohne zu wissen, ob es funktioniert. Daraus entstand schließlich ihr Buch.

Wir sind dem Schicksal nicht ausgeliefert

Der Grundgedanke ist leise und stark zugleich: Wer trauert, ist dem Leid oder Schmerz nicht nur ausgeliefert, sondern kann seine Erfahrung auch mitgestalten. Hone sagt selbst: Es nimmt nicht den Schmerz weg, aber es gibt das Gefühl zurück, nicht nur wehrlos und verloren zu sein.

Wie im Vortrag beschreibt sie drei Wege, die ihr geholfen haben.

Erstens: Schweres gehört zu jedem Leben. Sie fragte sich nie „Warum ich?“, sondern „Warum nicht ich?“. Das Unglück macht keine Unterschiede, und das zu wissen, nimmt das Gefühl, ausgerechnet ungerecht behandelt zu werden.

Zweitens: Wende dich den guten Dingen zu. Ihr Satz lautete: „Verliere nicht auch noch das, was du hast, an das, was du schon verloren hast.“ (Im Original: „Don’t lose what you have to what you have lost.“) Sie hatte noch zwei Söhne, die sie brauchten. Auch schöne Gefühle suchte sie bewusst, bei langen Spaziergängen in den Bergen, bei einem Film oder wenn sie ihren Söhnen beim Musizieren zusah. Dahinter steht auch eine Untersuchung von Barbara Fredrickson, nach der solche Gefühle Menschen in Krisen schützen können.

Drittens: „Hilft mir das, was ichtue, oder schadet es mir?“ Diese Frage stellte sie sich in den schwersten Tagen immer wieder. Spätabends alte Fotos ansehen und immer trauriger werden? Dann lieber die Fotos weglegen, schlafen gehen und freundlich zu sich sein.

Eine Idee kommt in ihrem Beitrag für das Greater Good Magazine der Universität Berkeley dazu, kein Werkzeug des Vortrags, aber ein schöner Gedanke: kleine Rituale, die positive Erinnerungen in sich tragen, wie die Strickjacke der Tochter an kalten Tagen, ihre Lieblingschips oder auch der Mandelkuchen der eigenen Mutter. Forschende wie Michael Norton und Francesca Gino haben laut Hone gezeigt, dass solche Rituale das Gefühl von Kontrolle zurückgeben und die Trauer lindern können.

Falls Sie es selbst lesen möchten

Das Buch heißt „Resilient Grieving: Finding Strength and Embracing Life After a Loss That Changes Everything“ und erschien 2017 im Verlag The Experiment. Das Buch gibt es bisher nur auf Englisch. Falls Sie noch mehr darüber erfahren möchten, finden Sie die Grundgedanken in unserem Artikel und in unserer Kurzfassung ihres Vortrags, beide sind unten verlinkt.

Was Leser darüber sagen

Wir haben eigens für Sie englische Leserstimmen gelesen, und die allermeisten loben das Buch. Es sei mitfühlend und praktisch, aber nicht belehrend. Einige Stimmen finden es stellenweise sachlich, mit zu vielen Verweisen, andere sagen, es helfe bei jeder Art von Verlust. Wir finden: Für schwierige Momente gibt es keine allgemeinen Rezepte, aber die Erfahrung anderer kann hilfreich sein.

Und Sie?

Gibt es etwas, was Ihnen geholfen hat? Ein Mensch, ein Ort, ein kleines Ritual? Schreiben Sie uns, wenn Sie möchten.

Wir hoffen, dieser Beitrag hat Ihnen gefallen. Die „Rente al dente“ Redaktion.

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