Wie Gedanken dein Wohlbefinden lenken - was die Hirnforschung zeigt

MENTALE GESUNDHEIT

Wie wir unsere Gedanken und Gefühle beeinflussen und lenken können

Wie Gedanken das Wohlbefinden beeinflussen, erklärt die Hirnforschung klar: Gedanken erzeugen Verbindungen im Gehirn und stärken - positiv wie negativ - unser Denkverhalten. Das Gehirn ist aber jederzeit - auch im Alter - zu Veränderungen fähig. Wer versteht, wie Denken funktioniert, kann seine Sorgen oder Ängste bewusst verlassen und im Alltag deutlich mehr Gelassenheit und ebenso Lebenszufriedenheit gewinnen.

Hören statt Lesen - Wie Gedanken das Wohlbefinden beeinflussen

Wie Gedanken das Wohlbefinden beeinflussen

Oft wiederholte Gedanken erzeugen messbare Verbindungen im Gehirn und stärken - positiv wie negativ - unsere Denkmuster. Das Gehirn ist veränderbar - jederzeit - auch im Alter. Wer versteht, wie Denken funktioniert, kann das Karussell von Sorgen oder Ängsten bewusst verlassen und im Alltag mehr Gelassenheit gewinnen.

Gedanken schaffen Wege

Wir lernen in der Schule zwar, wie man denkt - aber kaum, wie Denken im Gehirn wirklich funktioniert. Dabei ist genau dieses Wissen eines der nützlichsten Dinge, die wir im Alltag kennen können. Denn: Wie beispielsweise positive Gedanken das Wohlbefinden beeinflussen, lässt sich heute wissenschaftlich klar erklären - und vor allem praktisch nutzen. Unser Gehirn arbeitet nach Mustern, die über Jahrzehnte entstanden sind. Die gute Nachricht: Diese Muster sind jederzeit veränderbar - in jedem Alter. Die Neurowissenschaftlerin Susan Greenfield bringt das vorrangige Bedürfnis unseres Gehirns auf den Punkt: „Logik ist so ziemlich das Letzte, womit sich unser Gehirn beschäftigt; es rechnet nicht, es will sich wohlfühlen." Das ist keine Fantasie - das ist Bio-Logik. Und wer sie versteht, kann bewusster mit Stress, Sorgen und Alltagsdruck umgehen.

Durch deine Gedanken entstehen Wege

im Gehirn, vergleichsweise wie in einem Wald oder einer Wiese. Je öfter ein Weg begangen wird, das heißt, dasselbe oder ähnliches gedacht wird , desto breiter und fester wird dieser Weg. Das Gras verschwindet, der Boden wird eben und es wird leichter, ihn zu begehen. Ähnliches passiert im Gehirn.

Oft wiederholte Gedanken erzeugen Wege oder Verbindungen, bis hin zu richtigen Schnellstraßen oder Denkautobahnen, die dein Gehirn automatisch wählt, weil sie dir scheinbar wichtig sind und oft von dir gebraucht werden. Daraus entstehen in Folge Denkgewohnheiten oder Denkmuster. Diese sind zwar schnell, aber nicht immer hilfreich. Denn Angewohnheiten oder Muster können auch nachteilig sein, vor allem wenn sie Druck, Sorgen, Stress, Angst oder Zweifel erzeugen.

Wer sich zum Beispiel laufend Sorgen macht, schafft einen Gedankenweg oder wie erwähnt, eine Schnellspur und landet, ohne es zu merken, immer wieder bei seinen Problemen oder Ängsten. Dadurch verstärken sich die Verbindungen, werden anfangs zu einer Belastung und können später sogar zu unüberwindbaren Bergen werden. Da unser Gehirn ständig auf „Gefahrensuche“ ist, springt es immer schneller auf diese Themen an, selbst wenn kein Anlass dafür besteht. So funktioniert die Biologie des Gehirns. Deshalb ist es wichtig, solche beunruhigende „Schnellstrassen“ zu erkennen, aktiv zu verlassen und eine optimistische Richtung einschlagen, weil es das Gehirn von selbst nicht tut.

Der Aufmerksamkeitsfilter (RAS) - was dein Gehirn steuert

Ein interessantes und faszinierendes Beispiel: Unser Gehirn hat eine Art „Türsteher“, der entscheidet, welche Informationen in unser Bewusstsein gelangen können. Das heißt, welche wir uns merken sollen oder müssen. Diesen Filter nennt die Wissenschaft RAS, also retikuläres Aktivierungssystem. Es sorgt dafür, dass wir nicht von einer Flut an Informationen überwältigt werden.

Vielleicht kennst du das ja. Du willst ein bestimmtes Auto kaufen, und nun bemerkst du auf einmal dieses Modell überall im Straßenverkehr. Dein Gehirn hält gezielt nach diesem Modell Ausschau, weil du dem Thema gerade deine Aufmerksamkeit schenkst. Zugleich blendet es andere Dinge oder wie in diesem Fall, andere Modelle aus. Das gleiche tut es auch, wenn du einem Problem deine Aufmerksamkeit schenkst. Es konzentriert sich auf das Problem und zeigt die Dinge, die dazu passen. Im Fall des Autos freust du dich, im anderen Fall fühlst du dich unwohl und wenn du nicht aussteigst, immer unwohler. Es ist also ziemlich einfach zu erkennen, was klüger und sinnvoller ist. Achtung! Es geht nicht darum Probleme zu ignorieren, was aber zählt, ist die Zeit die du positiven oder negativen Dingen widmest.

Dankbarkeit als Gehirn-Training - wissenschaftlich erklärt

Wie du den Effekt für dich nützen kannst.

Wenn du dich beispielsweise auf Dankbarkeit konzentrierst und (das ist wissenschaftlich erwiesen) jeden Tag nach etwas Ausschau hältst, wofür du dankbar sein kannst, wird sich dein innerer Filter für genau diese Situationen und Momente verstärken. Du siehst weniger belastende und deshalb, wie von selbst, mehr Dinge, die sich lohnend anfühlen und dir Freude machen, weil dein Gehirn diesen „Weg“ ausbaut und verstärkt. So werden auch positive Gedanken und Gefühle immer häufiger. Das hat nichts mit positivem Denken zu tun, sondern einzig und allein damit, worauf deine Aufmerksamkeit gerichtet ist. Auf das was dir gut tut oder auf das, was dir gerade fehlt oder dich beängstigt. Wie schon erwähnt, es geschieht in beide Richtungen, aber du entscheidest und kannst sie damit positiv beeinflussen.

Negative Gedanken loswerden - so hilft die Hirnforschung

Das Gehirn liebt es, belohnt zu werden – nicht mit Gold, sondern mit Erfolgen. Jedes Mal, wenn du bei etwas erfolgreich bist, vielleicht kleine Wunschziele erreichst und dir dafür auch ein Lob gibst, schüttet das Gehirn Dopamin aus. Das wirkt wie ein innerer Applaus und schenkt dem Gehirn und auch dir einen Glücksmoment. Das Gehirn liebt dieses „Bravo“ für jede gelungene Sache – und motiviert sich, auf diese Weise weiterzumachen. Das erklärt, warum Erfolgserlebnisse neue Kräfte wecken und auch in schwierigen Phasen mehr seelische Kraft und Zuversicht schenken. Auf diesem Gebiet hat die positive Psychologie, die von Martin Seligman gegründet wurde und den Studien von Barbara Fredrickson große Fortschritte und Erkenntnisse gemacht und beigetragen.

Belohne dein Gehirn - weiß auch die positive Psychologie

Das Gehirn liebt es, belohnt zu werden – nicht mit Gold, sondern mit Erfolgen. Jedes Mal, wenn du bei etwas erfolgreich bist, vielleicht kleine Wunschziele erreichst und dir dafür auch ein Lob gibst, schüttet das Gehirn Dopamin aus. Das wirkt wie ein innerer Applaus und schenkt dem Gehirn und auch dir einen Glücksmoment. Das Gehirn liebt dieses „Bravo“ für jede gelungene Sache – und motiviert sich, auf diese Weise weiterzumachen. Das erklärt, warum Erfolgserlebnisse neue Kräfte wecken und auch in schwierigen Phasen mehr Zuversicht schenken.

Immunsystem oder körperliche Gesundheit? - So erklärt's Alia Crum

Besonders aufregend, fast revolutionär sind die Erkenntnisse von Alia Crum an der Stanford Universität. Dr. Crum ist Professor, Psychologe und Forscherin, die untersucht, wie sich Achtsamkeit, sowie unsere Denkweise auf unser Immunsystem, unser Verhalten oder unsere Resilienz auswirken. Sie erforscht den Einfluss der persönlichen Einstellung auf den Alltag, die Lebensqualität und inbesonders auf das Wohlbefinden beziehungsweise die Gesundheit.. (einen Beitrag zu Alia Crum’s Arbeit findest du hier).

Referenzen - Wissenschaftler:innen im Artikel

für mehr Informationen klicken Sie auf den Namen - weitere Wissenschaftler:innen im "who is who"

  • Susan Greenfield: ist eine britische Neurowissenschaftlerin, Autorin und Kommentatorin. Sie ist bekannt für ihre Forschung über die Auswirkungen moderner Technologien auf das Gehirn.

  • Martin Seligman: ist ein US-amerikanischer Psychologe und Professor an der University of Pennsylvania. Er gilt als der Begründer der Positiven Psychologie, die sich auf menschliche Stärken, Glück und Wohlbefinden konzentriert.

  • Barbara Fredrickson: ist eine amerikanische Professorin für Psychologie an der University of North Carolina at Chapel Hill. Sie ist eine der führenden und einflussreichsten Forscherinnen im Bereich der Positiven Psychologie und über die Bedeutung positiver Emotionen.

  • Alia Crum: ist Professorin für Psychologe und Forscherin, die untersucht, wie sich Denkweisen auf die Gesundheit und unser Verhalten auswirken. Sie interessiert sich besonders dafür zu verstehen, wie Denkweisen auch außerhalb der Medizin Ergebnisse beeinflussen.

Buchtipp

neue Gedanken - neues Gehirn

Ein Gespräch - über die Macht der Gedanken

Kurzfassung - ein Gespräch über die Macht der Gedanken

Hannelore und Gerhard sitzen auf einer Parkbank in der Nachmittagssonne. Gerhard ist ungewöhnlich still. Auf Hannelores Nachfrage gibt er zu, dass sich sein Gedankenkarussell dreht: die kleinen Wehwehchen, die Sorgen um die Kinder, die Frage, was noch kommt. Manchmal habe er das Gefühl, in diesen Gedanken zu versinken.

Hannelore kennt das auch und erzählt von einem Artikel über die „Biologie der Gedanken". Ein Satz sei ihr besonders im Kopf geblieben: „Logik sei so ziemlich das Letzte, womit sich das Gehirn beschäftigt – es rechne nicht, es will sich wohlfühlen.“ Gerhard erkennt sich darin wider, obwohl in negativer Form: Seit er in Pension ist, scheint sich sein Kopf neue Probleme zu suchen, und wenn keine da sind, macht er welche.

Genau das sei der Kern, sagt Hannelore. Jedes Mal, wenn wir Sorgen durchkauen, verstärken wir den Denkweg im Gehirn. Die Kunst ist nicht, Sorgen zu wälzen, sondern auszusteigen. Der erste Schritt: sie bemerken und sich fragen: „Helfen sie mir – oder ziehen sie mich nur herunter?“ Es sei also eine Entscheidung, welchem Gedanken er folgt? fragt Gerhard überrascht. Hannelore bestätigt das. Am Anfang ist es etwas ungewohnt, weil uns die Sorgen so vertraut sind, dass wir sie für normal halten. Gerhard nimmt sich vor, sich künftig öfter zu fragen, was ihm eigentlich guttut, ein Stück Freiheit oder seinem Kopf beim Sorgenmachen zuzuhören und sich von Zweifeln kommandieren zu lassen

Die zentralen Erkenntnisse aus dem Artikel

Gedanken bahnen Wege. Wie ein Trampelpfad über eine Wiese wird ein Denkweg umso breiter und fester, je öfter man ihn geht. Aus wiederholten Gedanken werden Denkgewohnheiten, aus Denkgewohnheiten regelrechte Schnellstraßen, die das Gehirn automatisch wählt.

Schnell heißt nicht hilfreich. Genau diese eingefahrenen Wege sorgen dafür, dass man ohne Umweg wieder bei denselben Sorgen landet. Sind sie anfangs „nur“ eine Belastung, können sie dich mit der Zeit überhäufen.

Das Gehirn steigt nicht von allein aus. Da es meist auf Gefahrensuche ist, springt es umso schneller auf Sorgenthemen an – auch ohne Anlass. Den Ausstieg aus diesem Karussell muss man bewusst einleiten.

Veränderung ist immer möglich, in jedem Alter. Muster sind vielleicht über Jahrzehnte entstanden, aber sie sind nicht in Stein gemeißelt. Das Gehirn bleibt - wissenschaftlich belegt - das Leben lang veränderungsfähig.

Das RAS entscheidet, was Sie überhaupt bemerken. Das retikuläre Aktivierungssystem arbeitet wie ein Türsteher und lässt Sie wahrnehmen und erkennen, worauf Ihre Aufmerksamkeit gerade gerichtet ist. Wer ein bestimmtes Auto kaufen will, sieht es überall –wer sich mit einem Problem beschäftigt, sieht überall Belege dafür.

Nicht verdrängen, eher wieviel Zeit Sie dafür aufwenden. Probleme zu ignorieren ist nicht gemeint. Entscheidend ist, wie viel Zeit Sie dem widmen, was Ihnen guttut, und wie viel dem, was Ihnen fehlt oder scheinbar Angst macht.

Dankbarkeit ist ein wirksamer Filter. Wer täglich gezielt nach etwas Ausschau hält, wofür er dankbar sein kann, baut diesen Weg im Gehirn aus – und findet mit der Zeit mehr davon. Das ist kein positives Denken, sondern eine kluge Ausrichtung.

Kleine Erfolge und Gehirnapplaus. Bei einem gelungenen Vorhaben und einem anerkennenden eigenen (inneren) Lob wird Dopamin ausgeschüttet – eine Art innerer Applaus. Das stärkt Wohlgefühl und Selbstwert und motiviert das Gehirn, weiterzumachen. So erklärt sich, warum Erfolgserlebnisse in schwierigen Phasen neue Zuversicht schenken.

beitragende Wissenschaftlerinnen

Susan Greenfield, britische Neurowissenschaftlerin, liefert den Satz, der den ganzen Artikel trägt: „Logik ist so ziemlich das Letzte, womit sich unser Gehirn beschäftigt; es rechnet nicht, es will sich wohlfühlen." Ihre Arbeit macht verständlich, warum unser Denken keinem Rechenwerk folgt, sondern biologischen Bedürfnissen – und warum wir dieses Wissen praktisch nutzen können.

Alia Crum, Psychologin und Forscherin an der Stanford University, untersucht, wie die persönliche Einstellung – das sogenannte Mindset – auf Verhalten, Lebensqualität und Gesundheit wirkt. Ihre Ergebnisse gelten als besonders bemerkenswert, weil sie zeigen, dass die Erwartungshaltung nicht nur die Stimmung beeinflusst, sondern bis in körperliche Vorgänge hineinreicht.

Im Hintergrund steht außerdem die Erkenntnis der Neuroplastizität – die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Nutzung umzubauen. Sie ist der wissenschaftliche Grund dafür, dass der Satz „Dafür bin ich zu alt" hier nicht gilt.

praktische Beispiele für den Alltag

Mit Gedanken sein Wohlbefinden lenken

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